Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev fühlt sich von Medien nicht immer fair behandelt und stört sich mitunter an der Berichterstattung. »Es ist nervig, wenn sich Leute nicht auf Fakten konzentrieren oder sich die Wahrheit irgendwo aus dem Arsch ziehen teilweise«, sagte der 28-Jährige vor dem Auftakt der Australian Open.
Zverev war in Melbourne gefragt worden, was er als deutscher Tennisjournalist anders machen würde, und antwortete, er würde sich mehr an die Fakten halten und nicht an »irgendwelche Gerüchte«. Zuvor hatte ihn ein Journalist nach seinem Privatleben gefragt.
Dabei wies Zverev auch auf die Macht hin, die Medien haben können. »Jede Geschichte kann man zweideutig schreiben, immer in eine Richtung, in die andere Richtung. Und es gibt Journalisten, die mich wahrscheinlich mögen«, so Zverev. »Es gibt Journalisten, die mich weniger mögen, und da kann man immer die Wahrheit so in die Richtung ziehen, in die man sie halt schreiben möchte.«
»Da kann ich auch ein bisschen stolz drauf sein«
So solle man auch die Fakten berücksichtigen, wenn man seine vergangene Saison sportlich bewerte. »Klar, ich habe letztes Jahr nicht das Jahr gehabt, das ich mir erhofft habe«, erklärte der Weltranglistendritte, »aber Fakt ist auch, dass ich gefühlt zehn Verletzungen gehabt habe.« Das Jahr dennoch als Nummer drei der Welt zu beenden, sei »trotzdem irgendwo auch ein Erfolg.« Bei seiner Antwort betonte Zverev, er wolle sich nicht beschweren über sein Leben, er führe »ein wunderschönes Leben«.
Zverev hatte im vergangenen Jahr nach seinem Finaleinzug bei den Australian Open zu Saisonbeginn oft enttäuscht und seinen einzigen Turniersieg in München geholt. Im Sommer berichtete er von mentalen Problemen. »Ich fühle mich generell gesprochen ziemlich allein in meinem Leben, was kein schönes Gefühl ist«, sagte er kurz nach seiner Niederlage beim Rasenklassiker in Wimbledon. Hinzu kam ein öffentlich ausgetragener Streit mit Boris Becker. Körperlich kämpfte er unter anderem mit Rückenbeschwerden.
»Viele hätten das Jahr vielleicht früher beendet«, meinte Zverev und wären dann im Ranking zurückgefallen – und eben nicht die Nummer drei. »Da kann ich auch ein bisschen stolz drauf sein.«
Das erste Grand-Slam-Turnier 2026 startet für ihn am Sonntag; er hat mit dem Kanadier Gabriel Diallo eine unangenehme Auftaktaufgabe erwischt. Er habe »jetzt schon zehn Tage sehr, sehr gut und sehr, sehr hart trainiert«, berichtete Zverev. »Ich fühle mich bereit, das Turnier zu starten.«
Sein Start ins Jahr 2026 verlief durchwachsen. Beim United Cup schied er mit dem deutschen Team in der Vorrunde aus. Bei der Niederlage gegen Polen hatte er aus Frust seinen Schläger zertrümmert.
Alexander Zverev: »Jede Geschichte kann man zweideutig schreiben«
Foto: Aaron Favila / AP