Aserbaidschan liefert erstmals Erdgas nach Deutschland

Über den südlichen Gaskorridor liefert Aserbaidschan ab sofort auch Erdgas nach Deutschland und Österreich. Der staatliche Energiekonzern Socar habe mit ‌den Lieferungen begonnen, teilte das Unternehmen in Baku mit.

Das Gas fließt über die Transadria-Pipeline (TAP), die von der griechisch-türkischen Grenze durch Griechenland und Albanien nach Süditalien führt. Von dort wird es weiter nach Norden transportiert.

»Die Lieferungen, die über Italien nach Österreich und Deutschland geleitet werden, ‌erweitern die geografische Reichweite von aserbaidschanischem Gas in Europa«, heißt es in der Mitteilung. ⁠Mit ‍den neuen Märkten sei die Zahl der Länder, die aserbaidschanisches Gas importieren, auf 16 gestiegen.

Zehnjahresvertrag mit deutscher Ex-Gazprom-Tochter

Die Nachfrage nach aserbaidschanischem Gas ist ​gestiegen, seit Europa nach dem russischen Einmarsch in ‌die Ukraine ⁠seine Abhängigkeit von russischen Lieferungen verringern will.

Socar hatte im Juni einen Zehnjahresvertrag mit dem deutschen Energieversorger Sefe über die Lieferung von 1,5 Milliarden Kubikmetern pro Jahr unterzeichnet. Sefe, ⁠die frühere Gazprom Germania, war in der Energiekrise 2022 vom Bund vor der Pleite bewahrt worden.

Nach Österreich sollen einem ‌Socar-Insider zufolge bis zu einer Milliarde ‍Kubikmeter Gas jährlich geliefert werden. Die gesamten Gasexporte Aserbaidschans nach Europa ‍beliefen sich im Jahr 2025 auf 12,8 Milliarden Kubikmeter. Eine weitere Steigerung der Ausfuhren hängt jedoch ‍von Investitionen und dem Ausbau der Pipelinekapazitäten ab.

Aserbaidschan zählt seit fast 20 Jahren zu den Nettoexporteuren von Erdgas. Vor der Küste wurden riesige Reserven entdeckt. Zunächst lieferte das Land nur in umliegende Staaten wie die Türkei, Georgien – oder Russland. Dorthin führt unter anderem die Ghazi-Magomed-Mozdok Pipeline, durch die Gas in beide Richtungen transportiert werden kann.

Anfang 2025, in der Debatte über aserbaidschanische Gaslieferungen über die Ukraine nach Europa, hatte die NGO Crude Accountability  vor der Gefahr gewarnt, »dass russisches Gas unter einem aserbaidschanischen Label auf den europäischen Märkten verkauft werden könnte«. Dies, so die Befürchtung, würde die Bemühungen Europas um eine Diversifizierung der Energieversorgung untergraben und das Risiko verdeckter russischer Gasexporte trotz bestehender Sanktionen erhöhen.

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