Als Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder Anfang Mai eine Bilanz seines ersten Amtsjahres präsentierte, hatte sein Ministerium ein Video mit persönlichen Highlights des CDU-Politikers zusammenschneiden lassen. Man sah darin die wiedereröffnete Rahmede-Talbrücke oder Schnieder, wie er einer Polizistin seinen neuen elektronischen Fahrzeugschein präsentiert.
Was in dem PR-Filmchen nicht vorkam, obwohl es im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist: eine Reform der sogenannten Trassenpreise. Ein Vorhaben mit immenser Bedeutung für die Ticketpreise im Regionalverkehr. Nur, dass Schnieder bislang kaum vorangekommen ist.
Das Schienennetz wird von der Deutschen Bahn betrieben, zugleich soll es immer mehr Wettbewerb auf den Gleisen geben. Unternehmen, die in Deutschland Passagiere oder Güter per Bahn transportieren, zahlen Gebühren – die Trassenpreise – an den Netzbetreiber DB InfraGO, eine Tochter der Deutschen Bahn. Die Berechnung dieser Schienenmaut ist hochkomplex.
Der Nahverkehr war von größeren Preiserhöhungen lange verschont, während die Kosten für Fern- und Güterverkehr kräftig stiegen. Diese Preisbremse für die Schienen- und Bahnhofsnutzung hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) im April gekippt. Durch das Urteil müssen die Preise für 2025 und 2026 neu berechnet werden. Weil die Schienenmaut einen erheblichen Teil der Ticketkosten ausmacht, könnte das bedeuten, dass die Preise im Nahverkehr stark steigen oder gar Verbindungen wegfallen.