Smartwatches können helfen, Herzrhythmusstörungen zu erkennen

Herzrhythmusstörungen können lebensgefährlich sein. Wie also beobachtet man seine Herzgesundheit am besten? Handelsübliche Smartwatches scheinen dafür besser geeignet zu sein als die herkömmliche medizinische Standardversorgung. Zu dem Schluss kommt die Amsterdamer Universitätsklinik UMC in einer im »Journal of the American College of Cardiology«  veröffentlichten Analyse.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten vor allem das Vorhofflimmern, die weltweit häufigste Herzrhythmusstörung. Sie tritt oft unregelmäßig auf und viele Betroffene spüren nichts davon. Das Forschungsteam um den Kardiologen Michiel Winter und die Doktorandin Nicole van Steijn analysierte, ob tragbare Geräte wie eine Smartwatch dabei helfen können, solche Störungen früher und zuverlässiger zu entdecken als bisherige Methoden.

Beim Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe des Herzens unregelmäßig. Dies kann dazu führen, dass sich Blutgerinnsel – kleine Klumpen aus geronnenem Blut – im Herzen bilden. »Wenn diese Gerinnsel in das Gehirn wandern, können sie einen Schlaganfall verursachen«, sagte Winter laut Mitteilung der Universitätsklinik. Da das Flimmern oft nur zeitweise auftritt oder der Patient keine Beschwerden hat, entdecken Ärzte das Problem bei Routineuntersuchungen oft nicht.

Smartwatch braucht EKG-Funktion

Für die Studie, an der insgesamt 437 Patienten über 65 Jahre mit erhöhtem Schlaganfallrisiko teilnahmen, nutzte das Team Smartwatches. Die Hälfte der Teilnehmer trug sie sechs Monate lang täglich mindestens zwölf Stunden, die andere Hälfte erhielt die medizinische Standardversorgung ohne digitale Überwachung.

Zwei Funktionen der Smartwatch wurden verwendet: die optische Pulsmessung PPG (Photoplethysmographie) und ein einfaches EKG (Elektrokardiogramm) zur Aufzeichnung der elektrischen Herzströme. Während die Pulsmessung die Unregelmäßigkeiten nur vermuten lässt, ist das EKG notwendig, um die Diagnose Vorhofflimmern medizinisch zu bestätigen. Smartwatches mehrerer Hersteller bieten diese Funktionen.

In der Gruppe mit Smartwatch wurde Vorhofflimmern viermal häufiger entdeckt als in der Kontrollgruppe. Konkret wurde bei 21 Patienten mit Smartwatch eine Erkrankung diagnostiziert und behandelt. In der Smartwatch-Gruppe war etwa die Hälfte der Patienten (57 Prozent) asymptomatisch, sie hatten keine Beschwerden und hätten ohne die Uhr vermutlich nicht erfahren, dass ihr Herz aus dem Takt geraten ist.

In der Vergleichsgruppe ohne Uhr wurden fünf Erkrankungen diagnostiziert. Alle fünf Patienten zeigten Symptome, sie gingen also zum Arzt, weil sie sich unwohl fühlten.

Die Grenzen der Technik

Die Technik erwies sich in der Studie nicht als unfehlbar. Co-Autorin Nicole van Steijn erklärte in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, dass es Fehlalarme gab. Von den 72 Patienten, bei denen die Uhr anschlug, hatten nur etwa die Hälfte tatsächlich Vorhofflimmern.

Studienleiter Winter sagte, vor dem Hintergrund eines zunehmend überlasteten Gesundheitssystems ermöglichten solche tragbaren Geräte, große Bevölkerungsgruppen medizinisch zu überwachen, ohne dass diese ständig ins Krankenhaus müssten. »Wir erwarten, dass wir definitiv weniger Schlaganfälle aufgrund von Vorhofflimmern sehen werden, wenn wir auf diese Weise in großem Stil untersuchen, da wir Patienten in einem sehr frühen Stadium ihrer Krankheit behandeln können«, sagte Winter.

Wie Sie die richtige Smartwatch finden, lesen Sie hier.

Eine Frau trägt ihre Smartwatch auch im Schlaf

Foto: Andrey Popov / PantherMedia / picture alliance

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