Eurovision Song Contest expandiert nach Asien

Fast genau 70 Jahre ist es her, dass die Sängerin Lys Assia im Mai 1956 im schweizerischen Lugano den ersten Grand Prix Eurovision de la chanson européenne gewann. Inzwischen heißt der europäische Schlagerwettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) und ist der größte und dauerhafteste internationale Musikwettbewerb. Nach viel Hin und Her bekommt der ESC nun einen interkontinentalen Ableger. Am Dienstag gaben die Veranstalter bekannt, dass es am 14. November die erste asiatische Ausgabe des ESC geben wird. Austragungsort ist die thailändische Hauptstadt Bangkok.

Für den Eurovision Song Contest Asia 2026 haben Künstler aus zunächst zehn asiatischen Ländern ihre Teilnahme bestätigt: Thailand, Südkorea, Philippinen, Vietnam, Malaysia, Kambodscha, Laos, Bangladesch, Nepal und Bhutan. Es wird erwartet, dass sich bis zum Finale noch weitere Länder anschließen werden. Die teilnehmenden Länder werden zur Vorbereitung Vorentscheide veranstalten, um ihre Kandidaten fürs Finale zu ermitteln, so wie es auch in Europa Tradition ist. Die beim Eurovision Song Contest vorgetragenen Songs müssen Originalkompositionen sein, die Hauptstimme muss live gesungen werden. Die Darbietungen werden anschließend von Musikexperten und Fans bewertet und bepunktet.

Der Wettbewerb hat die Karrieren einiger der weltweit bekanntesten Künstler beflügelt, darunter die schwedische Popgruppe Abba und die kanadische Sängerin Céline Dion, die 1988 für die Schweiz antrat. Deutschland gewann den ESC zweimal, 1982 mit »Ein bisschen Frieden« von Nicole und 2010 mit »Satellite« von Lena Meyer-Landrut. In diesem Jahr tritt die ehemalige Castingshow-Teilnehmerin Sarah Engels mit einer Tanzperformance an.

»Da wir das 70. Jubiläum des Eurovision Song Contest feiern, erscheint es besonders bedeutsam, dieses nächste Kapitel mit Asien zu eröffnen, einer Region, die reich an Kultur, Kreativität und Talent ist«, sagte Martin Green, der Direktor des Wettbewerbs, in der Ankündigung am Dienstag. Bangkok sei die perfekte Stadt für die Ausrichtung des Wettbewerbs, da sie »schon immer ein Ort war, an dem Kulturen zusammenkommen, an dem Musik in der Luft liegt und an dem Feiern zum Alltag gehört«, sagte Chuwit Sirivajjakul, ein Vertreter der thailändischen Tourismusbehörde.

Beschwerlicher Weg nach Asien

Der Weg zu Eurovision Asia war jedoch kompliziert. Bereits 2008 kündigte die EBU erstmals einen ESC-Ableger für den asiatisch-pazifischen Raum an, der 2009 unter der Ägide Singapurs stattfinden sollte. Damals waren noch China, Japan, Malaysia und Taiwan unter den geplanten Teilnehmernationen. Die Pläne wurden verworfen, bis es 2016, nun unter Federführung des australischen Senderverbunds SDS, erneut zu Planungen kam, den asiatischen Wettbewerb zu erschaffen. Das Commonwealth-Land Australien nimmt seit 2015 am Eurovision Song Contest teil, wäre also das Verbindungsglied zwischen Europa und dem pazifischen Raum gewesen.

Doch wiederum kamen die Pläne ins Stocken. Im Mai 2025 wagte sich dann der Bhutan Broadcasting Service (BBS) mit der Ankündigung vor, Bhutan würde sich mit einem nationalen Wettbewerb auf eine kommende Ausgabe des Eurovision Asia vorbereiten. Im Herbst vergangenen Jahres wurden sämtliche Spekulationen darüber jedoch von Martin Green beendet, als der Eurovision-Chef behauptete, es gebe keine konkreten Planungen. Im Hintergrund liefen jedoch die Vorbereitungen durch die in Los Angeles ansässige Organisation Voxovation, die 2022 für die EBU bereits den »American Song Contest« in den USA betreute. Den asiatischen ESC-Ableger veranstaltet Voxovation zusammen mit der thailändischen Firma S2O Productions.

Überschattet von der Weltpolitik

Die europäische Hauptgala zieht jedes Jahr mehr als 100 Millionen Zuschauer an. Der diesjährige Hauptwettbewerb mit 35 teilnehmenden Ländern soll im Mai in Wien stattfinden. Doch die friedliche Botschaft des vor allem in der LGBTQ+-Gemeinde beliebten Song Contests wird durch die aktuellen politischen Verwerfungen empfindlich gestört. Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien boykottieren den Wettbewerb in diesem Jahr aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Teilnahme Israels.

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen führte in den vergangenen zwei Jahren zu Protesten vor den Veranstaltungsorten und zwang die Organisatoren dazu, gegen das Schwenken politischer Flaggen und das Zeigen entsprechender Symbole vorzugehen. Der ORF kündigte jedoch an, beim kommenden ESC in Wien Flaggen zuzulassen, auch die palästinensische.

Der ESC ist eigentlich bestrebt, den Pop-Wettbewerb aus der Politik herauszuhalten, wurde jedoch wiederholt in weltpolitische Ereignisse verwickelt. Russland wurde 2022 nach seiner groß angelegten Invasion der Ukraine ausgeschlossen. Infolgedessen hat Moskau einen eigenen internationalen Gesangswettbewerb ins Leben gerufen, der unter dem Namen »Intervision« bekannt ist.

Politische Spannungen könnten auch in Asien auftreten. Allein das nun den ersten asiatischen ESC austragende Thailand war im vergangenen Jahr zweimal in tödliche Grenzkonflikte mit seinem Nachbarn Kambodscha verwickelt.

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