Diese sonore, angenehm unaufgeregte Stimme der Bundesliga-Konferenz

Es ist Samstag, 15.05 Uhr. Die Fanfare ertönt.  Erst die Trommelschläge, dann die Bläser, einmal lang, achtmal kurz, exakt 1:44 Minuten Dauer, mittendrin eine sonore Stimme: »WDR 2 (später war es WDR 1), Sie hören ›Sport und Musik‹ – Tore, Punkte, Meisterschaft. Am Mikrofon: Dietmar Schott.«

So beginnt sie, die heilige Sendung, am Samstagnachmittag, die Hörfunkstunden, die den Tag in ein Davor und ein Danach trennen. Die Bundesliga-Sendung des Westdeutschen Rundfunks mit der berühmten Schlusskonferenz. Zigtausende sind mit ihr aufgewachsen, für Zigtausende sind die Moderatoren der Sendung wie Besucher an der samstäglichen Kaffeetafel. Erst Kurt Brumme, später Dietmar Schott.

Intendantin nennt ihn eine »Hörfunk-Legende«

Im Alter von 88 Jahren ist Schott am Montag nach langer Krankheit gestorben. Das hat der WDR nun bekannt gegeben. WDR-Intendantin Kathrin Vernau nannte ihn eine »Hörfunk-Legende«. Und ja, das war er.

Ab den Siebzigerjahren moderierte Schott die Sendung zunächst abwechselnd mit Brumme, dann als dessen Nachfolger bis zu seinem Ruhestand 2004. Wenn die Bundesligasaison im Spätsommer wieder losging, konnte man Wetten darauf abschließen, dass Schott die Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem Satz begrüßte: »Die schreckliche fußballlose Zeit ist vorbei.«

Seine Stimme blieb dabei immer auf Zimmerlautstärke, nie schwappte sie über. Hier redete einer, den nichts mehr aus der Fassung bringen konnte. Dazu war er viel zu erfahren.

In Nordrhein-Westfalen kannte fast jeder seine Stimme, der ein Radio besaß und sich für Fußball interessierte. Es war die Zeit, in der teilweise die Hälfte der Bundesligaclubs aus NRW stammte: von Wattenscheid bis Uerdingen, von Bielefeld bis Düsseldorf. Auch das ist Vergangenheit.

Basketball und Pferdesport

Man bringt ihn mit der Fußball-Bundesliga in Verbindung, natürlich. Dabei war Schott alles andere als ein Fußballreporter, auch wenn sein Herz am Hamburger SV hing. In seinem langen Reporterleben hat er nur zweimal aus dem Stadion vom Fußball berichtet: einmal Gladbach gegen Nürnberg und dann Viktoria Köln gegen Rot-Weiss Essen.

Seine Leidenschaften waren Basketball und der Pferdesport. Die Passion für die Vierbeiner teilte er beim WDR mit seinem Fernsehkollegen Adi Furler.

Schotts Pläsier war der Trabrennsport, er züchtete daheim in Lohmar selbst Pferde, saß selbst im Sulky und feierte 14 Siege auf der Trabrennbahn. Mehr als 30 Mal berichtete er live vom Prix d’Amérique in Paris. Es war auch die Zeit, in der der Fußball noch nicht alles andere verdrängt hatte.

Dietmar Schott, wie man ihn kannte

Foto: Horst Galuschka / IMAGO

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