Geahnt hat man es, jetzt haben Ökonomen einmal zusammengerechnet: Die ökonomischen Kosten der Dauerkrisen der vergangenen Jahre für Deutschland summieren sich nach IW-Schätzungen inzwischen auf fast eine Billion Euro. Für die sechs Jahre seit 2020 ergebe sich ein Ausfall an preisbereinigtem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von insgesamt 940 Milliarden Euro, rechnet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor.
Je Erwerbstätigen entspreche dies einem Wertschöpfungsverlust von deutlich mehr als 20.000 Euro infolge von
Coronapandemie,
den Auswirkungen des russischen Krieges gegen die Ukraine
und der konfrontativen Politik der USA.
Ein Viertel der gewaltigen Gesamtsumme entfällt den Berechnungen zufolge auf das von Zollkonflikten mit der Regierung von US-Präsident Donald Trump geprägte vergangene Jahr. Amtlichen Zahlen zufolge schrammte die deutsche Wirtschaft 2025 knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum in Folge vorbei, die Wirtschaftsleistung legte real um 0,2 Prozent zu .
Wirtschaft stärker belastet als in früheren Krisen
»Die laufende Dekade ist bislang von außergewöhnlichen Schocks und gewaltigen ökonomischen Anpassungslasten geprägt, die mittlerweile
das Belastungsniveau früherer Krisen deutlich übertreffen«, sagte IW-Forscher Michael Grömling.
Die ökonomischen Kosten der Stagnationsperiode der Jahre 2001 bis 2004 lagen den Berechnungen zufolge preisbereinigt (real) bei rund 360 Milliarden Euro, für die Finanzmarktkrise 2008/2009 ergaben sich demnach Wertschöpfungsausfälle in Höhe von rund 525 Milliarden Euro.
Schere öffnet sich immer weiter
Um das Ausmaß der Wirtschaftseinbußen zu berechnen, hat IW-Forscher Grömling den tatsächlichen Konjunkturverlauf einem hypothetischen Szenario ohne die genannten Krisen gegenübergestellt. Basierend auf der Annahme, dass sich ohne diese Krisen das Wirtschaftsleben mit dem Durchschnittstempo der vergangenen drei Dekaden weiterentwickelt hätte, ergaben sich »erhebliche und ansteigende Wirtschaftsausfälle«, heißt es in der Analyse.
»Nach der Erholung vom Pandemieschock kamen die wirtschaftlichen Aktivitäten in Deutschland nunmehr seit drei Jahren nicht mehr über das Niveau des Jahres 2019 hinaus«, schreibt Grömling. »Aufgrund dieser faktischen Stagnation und eines unterstellten kontrafaktisch weiter ansteigenden Verlaufs öffnete sich bislang die Schere immer weiter und die wirtschaftlichen Verluste nahmen in den letzten Jahren durchgehend und deutlich zu.«
Dem Bundesverband der Deutschen Industrie zufolge herrscht gerade die »schwerste Wirtschaftskrise« seit dem Krieg: Firmen gehen pleite, die Zahl der Arbeitslosen steigt. Doch wie schlägt sich Deutschland genau – und wo liegen die wahren Probleme? In diesem Krisenquiz in Grafiken können Sie zeigen, wie Sie die Lage einschätzen .