Das aufgeschobene Ultimatum von US-Präsident Donald Trump im eskalierenden Irankrieg hat zum Wochenstart die Aktienmärkte befeuert und die Ölpreise um bis zu 14 Prozent einbrechen lassen. Der Dax sprang um rund 1200 Punkte nach oben, nachdem Trump angekündigt hatte, Angriffe auf Energieanlagen Irans auszusetzen.
Trump erklärte, er habe das Verteidigungsministerium angewiesen, militärische Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. In den beiden vergangenen Tagen habe es gute und produktive Gespräche mit Iran gegeben, schrieb Trump am Montag in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social.
Nach anfänglichen Verlusten von mehr als zwei Prozent legte der deutsche Leitindex um bis zu 3,6 Prozent auf 23.178 Punkte zu. Auch der Euro Stoxx 50 drehte ins Plus und gewann zeitweise mehr als drei Prozent. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent brach in der Spitze mehr als 14 Prozent auf 96,00 Dollar je Barrel ein. Das US-Leichtöl WTI verbilligte sich ähnlich stark auf bis zu 84,37 Dollar je Barrel.
Aufgeschoben – nicht aufgehoben
Die Aussicht auf eine Deeskalation im Irankonflikt beflügelte auch die US-Börsen. Die Futures der wichtigsten US-Indizes drehten deutlich ins Plus und zogen jeweils mehr als zwei Prozent an. »Dies ist offensichtlich ein Aufschub, kein vollständiger Waffenstillstand, und wir werden sehen, was von hier an geschieht«, sagte Chris Beauchamp, Marktanalyst bei IG Markets. »Aber die Märkte atmen offensichtlich auf.«
Trump teilte weiter mit, dass die Aussetzung der Angriffe vom Erfolg laufender Treffen und Gespräche abhängig sei. Zuvor hatten die iranischen Revolutionswächter mit Angriffen auf israelische Kraftwerke und die Stromversorgung von US-Stützpunkten am Persischen Golf gedroht. Sie reagierten damit auf ein von Trump am Wochenende gesetztes Ultimatum. Sollte Trump seine Drohung wahr machen und das iranische Stromnetz zerstören, werde in gleichem Maße zurückgeschlagen, erklärten die Wächter am Montag. Trump hatte am Samstag gedroht, die USA würden iranische Kraftwerke vernichten, falls die strategisch wichtige Straße von Hormus nicht binnen 48 Stunden wieder vollständig für die Schifffahrt geöffnet würde.
Dollar verliert weiter an Wert
Trumps Äußerungen am Montag stoppten auch den Ausverkauf am Anleihemarkt. Im Gegenzug gaben die Renditen von Staatsanleihen deutlich nach. Die Rendite der deutschen Benchmark-Bundesanleihe fiel auf zuletzt 3,009 Prozent. Am Vortag hatte der Wert noch bei 3,038 Prozent gelegen. Inflationssorgen hatten die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen seit Beginn des Irankriegs um mehr als 40 Basispunkte steigen lassen.
Auch der Dollar gab auf breiter Front nach. Unmittelbar nach Trumps Äußerungen verlor die US-Währung gegenüber dem Euro 0,7 Prozent und gegenüber dem Yen 0,6 Prozent. »Das ist eindeutig eine positive Entwicklung«, sagte Pepperstone-Stratege Michael Brown. »Beide Seiten führen Gespräche, und dies ist das erste konkrete Zeichen einer Deeskalation, das wir seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar gesehen haben.«
Allerdings sei der Krieg noch nicht vorüber. Auch wenn die Entwicklung positiv sei, seien bislang nur Angriffe auf die Energieinfrastruktur ausgeschlossen worden. »Das bedeutet vermutlich, dass militärische Aktionen an anderer Stelle zumindest vorerst weitergehen.« Die iranische Botschaft in Kabul teilte mit, dass Trump nach einer »deutlichen Warnung Irans« von einem Angriff auf die iranische Energieinfrastruktur Abstand nehme.
»Es ist eindeutig eine verbale Intervention angesichts des Ausverkaufs, den wir gesehen haben«, konstatierte Elias Haddad, globaler Marktstratege bei Brown Brothers Harriman. »Wir sehen eine reflexartige Reaktion auf diese positive Nachricht.« Sollte es sich um eine echte Deeskalation handeln, sei eine stärkere Erleichterungsrallye bei Risikoanlagen möglich.