Dieser Text ist ein leicht bearbeiteter Auszug aus dem SPIEGEL-Buch » Älterwerden für Anfänger. Was ich mir dabei von Nana Mouskouri, Thomas Gottschalk und meiner Mutter abschauen möchte – und was lieber nicht«. Darin erzählt Reporter Alexander Kühn von dem Jahr, in dem er 50 wurde, und wie es ihm gelang, seinen Frieden damit zu machen. Das Buch erscheint am 20. Mai.
Ein Kollege, Ende zwanzig, erklärte mir beim Mittagessen in der Kantine: Die Aufgabe seiner Generation, der Gen Z, sei es, die Work-Life-Balance wieder ins Lot zu bringen. Schuld daran seien wir, meine Generation habe sich von ihrem Beruf auffressen lassen. Er meinte nicht mich persönlich, trotzdem nahm ich es persönlich.
Ein ähnlich junger Kollege sprach mich auf einen Text an, den ich kurz zuvor veröffentlicht hatte. »Du hast darin einen Schauspieler erwähnt, ich komme gerade nicht auf den Namen.« »Götz George.« – »Ja, so hieß er wohl.« – »George war Schimanski.« – »Wer ist Schimanski?«
So muss sich mein inzwischen verstorbener Onkel, der Bäckermeister, gefühlt haben, wenn er mir, als ich Kind war, von früher erzählte. Von der Nachbarsfrau, die einen Lebensmittelladen betrieb, von Gasthäusern, die es nicht mehr gab. Er fragte mich dann, ob ich mich daran erinnere. Verneinte ich, hielt er inne und sagte betreten: »Stimmt, das war ja vor dem Krieg.«