Forscher entdecken mögliches Pestmassengrab bei Erfurt

Leipziger Forscher haben in der Nähe von Erfurt ein mögliches Massengrab aus der Pestzeit entdeckt. Damit sei nun wahrscheinlich erstmals in dieser Gegend ein Begräbnisort für die Opfer des sogenannten Schwarzen Todes gefunden worden, teilte die Universität Leipzig  mit. Europaweit seien bislang weniger als zehn bestätigte und präzise datierte Pestmassengräber bekannt.

Zeitgenössischen Chroniken zufolge wütete die Pest in Erfurt im Jahr 1350. Rund 12.000 Tote sollen in elf großen Gruben außerhalb der Stadt bestattet worden sein. Deren genaue Lage sei bislang jedoch unbekannt gewesen, teilte die Universität mit. Nun soll eine gefunden worden sein.

Historische Quellen

Den Begräbnisort hat das interdisziplinäre Forscherteam nicht bei einer klassischen Ausgrabung entdeckt, heißt es in einer im Fachmagazin »PLOS One«  veröffentlichten Studie. Die Gruppe habe die Grube stattdessen mithilfe historischer Quellen, geophysikalischer Messungen und Sedimentbohrungen gefunden. Damit sei das Projekt auch ein Modell für schonende archäologische Erkundungen, heißt es laut den beteiligten Wissenschaftlern.

Bei den Bohrungen seien menschliche Knochenfragmente zutage gefördert worden, die Analysen zufolge aus dem 14. Jahrhundert stammten. Die genaue Zahl der in dieser Grube Bestatteten lässt sich ohne vollständige Ausgrabung allerdings nicht angeben.

Weitere Ausgrabungen geplant

»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir eines der in den Chroniken beschriebenen Pestmassengräber von Erfurt eindeutig lokalisiert haben«, erklärte der Geograf Michael Hein. Ganz sicher wisse man es aber erst, wenn Archäologen dort weitere Belege fänden.

In Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sind nun weiterführende Ausgrabungen geplant. Das Leipziger Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie  soll für genetische Untersuchungen hinzugezogen werden.

Der Pestpandemie von 1346 bis 1353 fiel je nach europäischer Region bis zur Hälfte der mittelalterlichen Bevölkerung zum Opfer. In Mitteleuropa gehörte Thüringen zu den östlichsten Regionen, die von der Seuche betroffen waren.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version sah man den leidenden Hiob aus dem Alten Testament, über dem der Satan schwebte, keinen Pestdämon. Wir haben das Bild daher getauscht.

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