Seltene Ameisen leben ganz ohne Männchen

Eine typische Ameisenkolonie besteht aus fortpflanzungsfähigen Weibchen, den Königinnen, aus nicht fortpflanzungsfähigen Weibchen, den Arbeiterinnen, und aus Männchen, die kurz nach der Paarung sterben. Doch nun hat ein Forschungsteam aus Japan und Deutschland eine »spektakuläre Entdeckung« gemacht, wie es in einer Mitteilung heißt.

Eine neu entdeckte Ameisenart, Temnothorax kinomurai, kommt vollständig ohne Männchen und Arbeiterinnen aus. Das berichten die Forschenden im Fachblatt »Current Biology «. Die Insekten leben in Japan, bevölkern Eicheln und kommen nur selten vor. Deshalb war es für die Forschenden schwierig, genaue Informationen über ihr Brutverhalten zu gewinnen. Für die Studie hat die Gruppe gezielt Kolonien gezüchtet.

Damit eine Ameisenkolonie funktioniert, spielen Männchen meist ohnehin keine große Rolle, doch ihr Sperma ist wichtig. Die Königin nutzt es zeitlebens, um Eier zu befruchten. »Von diesem Grundschema gibt es eine Reihe von Abwandlungen«, sagt Jürgen Heinze, leitender Autor der Studie.

Jungfernzeugung

Einige Ameisenarten hätten die Arbeiterinnenkaste verloren, bei ihnen dringt die Königin in Nester anderer Arten ein und lässt die dortigen Arbeiterinnen für sich arbeiten, so der Experte. Außerdem gebe es einige wenige Arten, bei denen weibliche Tiere ohne Paarung aus unbefruchteten Eiern neue Weibchen heranziehen können. Die neu entdeckte Art geht noch weiter. Doch wie pflanzt sie sich fort, wenn es gar keine Männchen gibt?

»Die meisten arbeiterinnenlosen sozialparasitischen Ameisen vermehren sich dadurch, dass sich im Nest Geschwister verpaaren«, sagt Heinze, »es kommt also kaum zu einem genetischen Austausch.« Diese Arten nutzen andere Gruppen aus, um ihre eigene aufzubauen.

Von dem Prinzip profitiert auch die neu entdeckte Art: Die Königinnen überfallen andere Ameisenstaaten einer verwandten Art, Temnothorax makora. Sie übernehmen deren kleinen Staat und legen dann unbefruchtete Eier. Durch die sogenannte Jungfernzeugung kann sich daraus Nachwuchs entwickeln. Dabei handelt es sich um einen besonderen Fortpflanzungsmechanismus bei manchen Ameisen: Die Königinnen sind in der Lage, sich zu klonen. Der Nachwuchs wird dann von den Wirtsameisen ausschließlich zu neuen Königinnen aufgezogen.

Der Studienmitautor Kyoichi Kinomura, nach dem die neue Art benannt wurde, habe schon lange die Vermutung gehabt, dass es sich bei den Tieren um eine ganz besondere Spezies handelt, heißt es in der Mitteilung. Doch das zu bestätigen, habe gedauert.

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