Es ist schade, dass Kinder so schnell groß werden, aber um ehrlich zu sein, gibt es auch einige Dinge, die ich nicht vermisse: den unruhigen Schlaf meiner Töchter zum Beispiel. Ich kann mich an Nächte erinnern, da wurden beide Mädchen fünfmal wach – leider zu unterschiedlichen Zeiten.
Ehrlicherweise freute ich mich in manchen Phasen auf Dienstreisen und Hotelaufenthalte, idealerweise irgendwo in einer abgelegenen Gegend. Allerdings erfüllte sich der Wunsch, dort endlich einmal durchzuschlafen, meist nicht. Komischerweise wälzte ich mich oft hin und her, von erholsamem Schlaf konnte keine Rede sein. Dank des neuen Artikels von Marie Kermer weiß ich nun, woran das gelegen haben könnte.
Die Kollegin hat sich mit dem unruhigen Schlaf in ungewohnter Umgebung beschäftigt, in der Wissenschaft als Erste-Nacht-Effekt bekannt. Offenbar leiden viele Menschen darunter, dass sie zu Beginn eines Aufenthalts an einem fremden Ort schlecht schlafen. Da kann die Urlaubsgegend noch so idyllisch sein und die Matratze superbequem – man wacht ständig auf und startet womöglich schlecht gelaunt in den Tag.
Wie mir Marie Kermers Text erklärt, ist das Phänomen genetisch tief verankert: Nachts immer wieder aufzuwachen sei evolutionär gesehen ein Mechanismus, um das eigene Überleben zu sichern. Die Jäger und Sammler der Urzeit hatten schließlich nie wissen können, ob Höhlenbären, Säbelzahntiger und andere Raubtiere herumstreiften oder sonstige Gefahren drohten. Kurz aufzuwachen und dabei blitzschnell das Umfeld zu scannen, konnte recht hilfreich sein, um bis zum Morgengrauen zu überleben.
Japanische Forscher haben sich nun intensiv mit dem Erste-Nacht-Effekt beschäftigt, der heutzutage streng genommen kaum noch bedeutsam ist: Hotels sind meist gut gesichert, Fenster sind dicht, und Türen lassen sich oft nur schwer aufbrechen. So dringen eher selten Raubtiere hinein, um die wehrlosen Schläfer in Stücke zu reißen.
Wäre es also sinnvoll, den Effekt ganz zu unterdrücken? Um Antworten zu finden, unternahmen die japanischen Wissenschaftler überraschende Versuche und machten Entdeckungen, die helfen könnten, Schlafprobleme effektiver zu behandeln. Warum sogar Menschen mit einer Angststörung von den Forschungen profitieren könnten, lesen Sie hier .
Herzlich,
Ihr Guido Kleinhubbert
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Bild der Woche
Bei einem Nachtfalter denken viele Menschen wohl an die mitunter lästigen, meist grau-braunen Tiere, die sich gern in Gardinen verfangen – aber nicht an ein so putziges Insekt, wie es Laurent Hesemans in Costa Rica fotografiert hat. Es ist ein Männchen aus der Familie der »Echten Spinner«, von denen es etwa 350 Arten gibt. »Die Tiere wirken wegen ihrer großen Augen und den herabhängenden Fühlern immer etwas melancholisch«, sagt Hesemans, der mit dem Bild nun beim Wettbewerb »Close-up Photographer of the Year« gewann.
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Die erste Nacht an einem fremden Ort ist selten erholsam
Foto: Yana Iskayeva / Getty Images