Forscher finden rätselhafte Struktur in Überresten des ersten Atombombentests

Sie habe die Hitze auf ihrem Gesicht gespürt, die Helligkeit sei überwältigend gewesen. Sie habe sich gefühlt wie auf dem Grund eines Ozeans aus Licht, von allen Seiten umspült. So beschrieb Joan Hinton den Moment, als in der Chihuahua-Wüste im US-Bundesstaat New Mexico die erste Atombombe der Geschichte gezündet wurde. Still sei die pilzförmige Wolke in den Himmel aufgestiegen, unten dunkel und rot, oben von der Sonne beschienen. Erst viel später habe sie den Lärm der Explosion gehört.

Es war der Morgen des 16. Juli 1945, um 5.29 Uhr Ortszeit. Die Physikerin, die als eine der wenigen Frauen beim Manhattan-Projekt in Los Alamos an der Entwicklung der Waffe mitgearbeitet hatte, sollte beim sogenannten »Trinity«-Test gar nicht vor Ort sein. Doch Hinton hatte sich mit einem Freund auf dessen Motorrad in die Nähe des Testgeländes bei Alamogordo geschlichen, um zu sehen, was dort passierte. So schilderte sie es später in verschiedenen Berichten.

Auf einem rund 30 Meter hohen Stahlgittermast ließ ihr Kollege und Chefwissenschaftler Robert Oppenheimer eine Plutoniumbombe zünden. Sie war vom gleichen Typ, wie sie knapp vier Wochen später ein amerikanischer B-29-Bomber über der japanischen Stadt Nagasaki abwerfen würde. Die Wissenschaftler waren etwa zehn Kilometer vom Ort der Detonation entfernt. Sie trugen teils Schweißerbrillen zum Schutz vor dem Blitz. Der Test in der dünn besiedelten Gegend verlief erfolgreich, die Menschheit war im Zeitalter der Atomwaffen angekommen.

Die Bombe hatte eine Sprengkraft von etwa 20.000 Tonnen konventionellem Sprengstoff. Am Boden hinterließ sie einen mindestens anderthalb Meter tiefen Krater mit einem Durchmesser von 80 Metern. Noch Hunderte Meter entfernt vom Zentrum der Explosion schmolz die Hitze den Wüstensand. Zurück blieben Hunderte Kilogramm von einem Material, das die Welt zuvor nicht kannte: ein oft grünliches, manchmal aber auch rotes Glas. Es erhielt später den Namen Trinitit und ist schwach radioaktiv, bei kurzem Kontakt aber ungefährlich.

Souvenir und Forschungsgegenstand

Für Besucher des Atomtestgeländes war Trinitit über viele Jahre ein beliebtes Souvenir. Inzwischen ist es verboten, etwas davon mitzunehmen. Doch Wissenschaftler arbeiten bis heute mit den Proben.

Feuerball des »Trinity«-Tests nach 15 Sekunden: Auf dem Grund eines Ozeans aus Licht

Foto: UIG / IMAGO

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