Wie Sie im Weganuary Ihr Reisejahr planen

Der Januar ist ja eine 31 Tage lange Mottoparty. Alle, die beim »Dry January« mitmachen, verzichten vier Wochen auf Alkohol – das ist sogar auf Reisen möglich (mehr dazu hier ). Der Veganuary  dagegen verbindet die Begriffe »vegan« und »Januar« und motiviert Menschen dazu, im ersten Monat des Jahres eine rein pflanzliche Ernährung auszuprobieren (hier finden Sie tolle vegane Rezepte ). Ich befasse mich zu Jahresanfang äußerst gern mit Reiseplanung. Darum nenne ich den aktuellen Monat ab sofort »Weganuary«. Das spricht sich praktischerweise wie der bereits bekannte »Veganuary« und verbindet die Begriffe »weg« und »Januar«.

Dann also los.

Bevor die Frage aufkommt, wohin es gehen soll, sollte man sich darüber klar werden, welche Bedürfnisse man hat – und wonach auch den potenziellen Mitreisenden der Sinn steht. Möchte ich viel Bewegung im Urlaub, viel Kulturprogramm – oder vor allem Ruhe ? Will ich im Hotel schlafen oder im Camper ? Habe ich Lust auf ein Naturerlebnis  oder einen Städtetrip – ins spanische Hinterland  zum Beispiel, zum Klub-Hopping nach Glasgow  oder nach Oulu in Finnland, die Europäische Kulturhauptstadt 2026?

Ich wundere mich oft darüber, wie Reisepläne zustande kommen. Kürzlich sah ich mit meinen Kindern den Kinofilm »Pumuckl und das große Missverständnis«. Seitdem wollen meine Söhne unbedingt nach Bayern reisen. Für uns Hamburger ist das fast eine Fernreise. Im dänischen Sonderburg sind wir deutlich schneller als in Würzburg – es dauert nicht mal halb so lang. Und natürlich sind auch Entfernungen neben dem Budget ein wichtiges Kriterium bei der Reiseplanung.

Dass aber der Süden Deutschlands ein tolles Reiseziel ist, meint man auch im fernen New York: Die »New York Times« veröffentlicht traditionell zu Jahresbeginn eine Liste mit 52 Reisezielen. Dieses Jahr ist der oberfränkische Hotspot Bayreuth unter den heißen Tipps. Warum, erfahren Sie in diesem Text . Darin lesen Sie auch, welche anderen Orte in Europa 2026 eine Reise wert sind.

Ich finde, die US-Amerikaner präsentieren ein paar wirklich hübsche Ideen. An der Hälfte der empfohlenen Ziele war ich bereits – und habe schönste Erinnerungen an die Trips dorthin. An eine kleine Trattoria, versteckt in einer Gasse in der italienischen Hafenstadt Genua, wo ich mit einem schlafenden Baby auf dem Schoß mal das beste Pesto meines Lebens aß. Ich denke auch gern an die dänische Insel Møn – eine Nachbarinsel des äußerst erlebenswerten Eilands Falster  –, an die Kreideklippen und an einen Bauernhof, den ich vor Jahren mit der Familie besucht hatte. Aber nie wäre mir eingefallen, nach East Sussex zu fahren, um dort den 100. Geburtstag von Pu der Bär zu feiern. Ich glaube, es ist eine großartige Idee.

Schauen Sie sich doch bitte mal diese Landschaft an, die dem englischen Schriftsteller Alan Alexander Milne als Inspiration für seinen fiktiven Hundertsechzig-Morgen-Wald diente. Im Ashdown Forest würde ich wahnsinnig gern mal auf dem »Pooh-Trek«  wandern gehen, einem nach »Winnie-the-Pooh« benannten Pfad:

Das ist natürlich nur ein Spazierweg im Vergleich zu den Weitwanderwegen, über die mein Kollege Philipp Laage in diesem Text berichtet . Er schreibt darin über sieben neue Routen für Outdoor-Menschen – und für alle, die es werden wollen. Eine liegt im Schwarzwald, eine auf Mallorca, und es ist auch eine Alpenüberquerung dabei – eine ohne Massenandrang, wie Philipp schreibt.

Lesetipps für den Winter

Sturmtief »Elli« hat in diesen Januartagen vielen Teilen Deutschlands ein Schneechaos beschert – immerhin bringt das viel Zeit zum Schmökern mit sich. Diese Artikel lege ich Ihnen ans Reiseherz.

  • »Dass die Insel Hiddensee im Winter ein verzaubernder Ort sein kann, hat mir kein Reiseführer beigebracht«, schreibt mein Kollege Markus Deggerich. »Es waren ein Engel, ein Wirt und ein Fuchs.« Markus ist nach langer Zeit wieder an einen Ort zurückgekehrt, den er früher oft im Sommer besucht hat. Nun war er allein dort – und vor allem: im Winter, jenseits aller Feiertage. Markus wollte wissen: Können der »alte Zauber und die innere Ruhe«, die er dort früher immer fand, wieder aufleben? Den Text, den Markus über sein Experiment geschrieben hat , empfehle ich Ihnen wärmstens.

  • »Warum schenken Sie der Schweiz ein kostenloses Skigebiet, Herr Bosco?« Diese Frage stellte Simon Maurer einem Unternehmer, der seine Pisten im Kanton Wallis gratis zugänglich macht. Hier erzählt er, über welche Gäste er sich besonders freut .

  • Ein Newsletter, in dem es um Reisepläne und -ideen geht, kommt nicht ohne diesen Text meiner Kollegin Eva Lehnen aus. Sie sagt: Die Route, die Quartiere, die Ausflüge – damit eine selbstorganisierte Reise gelinge, müsse sich jemand darum kümmern. »In jeder Gruppe und Familie gibt es diese eine Person. Ein Hoch auf die, ohne die man nur halb so weit kommen würde.« 

Hingucker – das Bilderrätsel

Eine dünne Schneeschicht auf gefrorener Wasseroberfläche: Wissen Sie, in welcher Stadt dieser Kanal liegt?

Die richtige Antwort finden Sie am Ende des Newsletters.

Reisebüro – eine Frage, unsere Antwort

Eine Winterwanderung durch Schnee und Kälte kann etwas sehr Schönes sein – wenn es bloß nicht so kalt wäre und man nicht so frierte. Jemand, der viel Erfahrung mit dem Gehen im Schnee hat, ist Björn Dziambor. Der 38-jährige gelernte Dachdecker und Bauingenieur hat sich einen Traum erfüllt und ist den Pacific Crest Trail (PCT) gegangen, den legendären Weitwanderweg, der von Südkalifornien bis nach Kanada führt. 4274 Kilometer weit ist Dziambor gelaufen, 177 Tage lang. Und das in einem extrem schneereichen Jahr. Wir haben ihn gefragt, wie er damals durch den Schnee in der Sierra Nevada gekommen ist.

Unsere Frage: »Herr Dziambor, wie schützt man sich bei einer Winterwanderung vor eisiger Kälte?«

Dziambors Antwort: »Mit der richtigen Ausrüstung. Das Wichtigste: Die Kleidung sollte möglichst nicht nass werden – weder durch den eigenen Schweiß noch durch schmelzenden Schnee. Das Problem: Genau das wird passieren. Auf dem Pacific Crest Trail sind meine damalige Partnerin und ich praktisch sieben Wochen lang in nassen Socken durch die total verschneite Sierra Nevada gelaufen. Ich habe dabei den kleinen Zehennagel verloren, der ist auch jetzt, zweieinhalb Jahre später, nicht so richtig nachgewachsen.

Wenn ich also etwas empfehlen kann für eine Wanderung in sulzigem Schnee, dann sind es Schuhe, die groß genug sind für zwei Paar Socken: für ein normales Paar und für Neoprensocken. Wenn man die Sachen nachts gut durchtrocknet, dann hat man morgens einen besseren Start. Die Unterwäsche ist am besten aus Wolle, weil sie Schweiß vom Körper wegtransportiert. Und auf keinen Fall eine zu dicke Jacke beim Wandern tragen. Denn ist die schweißdurchtränkt, kühlt man aus. Ab Minus fünf Grad Celsius bin ich morgens ohne Daunenjacke losgelaufen und hab sie erst angezogen, wenn wir für eine Pause standen. Wichtig sind warme Handschuhe und meine Partnerin hatte auch Hand- und Fußwärmer dabei.

Auf unserer Tour sind wir extrem steile Hänge gegangen, die wir nur überlebten, weil wir Steigeisen und Eispickel mit uns geschleppt haben. Das kann je nach den Bedingungen nötig sein – man muss aber den Gang auf Spikes trainieren, bevor man sie einsetzt. Und auch mit der Eisaxt können sich Anfänger verletzen.

Die schönsten Momente waren unsere Kaffeepausen. Egal, wie geschafft wir waren von einer Etappe – die Instantbrühe hat uns wieder nach vorn gebracht. Ein Kocher und das Pulver sind also ein Muss auf einer Winterwanderung. Es gibt nichts Schlimmeres, als frisch gefiltertes Schmelzwasser zu trinken, wenn man fix und fertig ist. Und noch ein Tipp: Wenn die Füße so richtig gefroren sind, dann hilft nur eins: eine Pause machen und sie dem Wanderpartner oder der -partnerin unter die Achseln zu stecken. Auf die bloße Haut. Die direkte Körperwärme ist dann die einzige Rettung.«

In seinem Buch »7 Millionen Schritte auf dem Pacific Crest Trail« erzählt Björn Dziambor mehr von seinem 2023 absolvierten Trip. Es ist nun im Piper Verlag erschienen.

Hier gibt es Futter – für Kopf und Bauch

Reisebücher und gutes Essen machen satt und glücklich. An dieser Stelle haben wir zweierlei für Sie:

Für den Kopf: »Winterland« heißt der neue Bildband des Franzosen Christophe Jacrot, der in den Bergen des Départements Drôme im Südosten Frankreichs lebt und schönes Wetter fotografisch langweilig findet. »Wer benötigt schon Sonnenschein? Ich nicht!«, sagte er dem SPIEGEL  vor zwei Jahren anlässlich seines damals erschienenen Buches »Lost in the Beauty of Bad Weather«. Meine Kollegin Antje Blinda hat sich sein neues Buch angesehen und findet:

Gut, dass es Menschen wie Christophe Jacrot gibt: Während man selbst mit Zentralheizung nur noch in Socken und unter Wolldecken überdauert und aus dem Fenster gegen weiß verschneite Dächer blickt, geht er hinaus in die Kälte und fotografiert.

Für seine Winterimpressionen reiste er bis nach New York, Island und Sibirien, fotografierte aber auch in abgelegenen Alpenregionen. Die Bilder, die er mitbringt, sind so gar nicht winterromantisch und doch sehr ästhetisch – und wirken oft wie Gemälde. Sie zeigen uns eine Welt in kaltem Weißgrau ohne Schneegeglitzer oder Eiszapfenglimmer. Sie zeigen Großstädte, die sanft überpudert sind oder im Schneetreiben versinken, und Dörfer, die im düsteren Monochromen verschwinden.

»Im Gegensatz zur Dokumentarfotografie arbeite ich vorwiegend malerisch, also mit Farben, mit Materie, und ich bin immer auf der Suche nach visuellen Emotionen«, schreibt Jacrot. Und ja, immer wieder schimmert etwas Tröstliches in der Zivilisation auf, die von der Naturgewalt Winter übernommen wurde. Hier das warme Licht aus Fenstern, dort die flatternden weißroten Handtücher oder der rote Regenschirm im Schneegestöber. Oder einfach ein paar Ferkel, die neugierig in Jacrots Kamera spähen.

Für den Bauch: Heute schicke ich Ihnen eine Hamburger Spezialität ins Postfach: Labskaus. Bei den Zutaten handelt es sich um sehr gut haltbare Lebensmittel – genau das Richtige für einen Schneesturm mit Schulausfall und wenig Möglichkeiten einkaufen zu gehen. Das ist das Rezept.

Das war was – Reisepannen, die in Erinnerung bleiben

Mehr noch als die beeindruckenden Ruinen oder weiten Strände behält man oft im Kopf, was auf dem Weg gründlich danebenging. Welche »Das darf doch wohl nicht wahr sein«-Situation hatten Sie unterwegs zu meistern? Schreiben Sie uns an: reise.leserpost@.de . Betreff: »Reisepannen«. Einige Ihrer Antworten würden wir nach Rücksprache gern veröffentlichen.

»Dass einem die Kreditkarte wegen eines Hackerangriffs gesperrt wird, kann schon mal passieren. Aber muss das ausgerechnet am ersten Tag des Urlaubs passieren, wenn man das Hotel bezahlen will? Das erlebte ich jedenfalls vor drei Jahren auf Teneriffa – wo ich entgegen jeder schweizerischen Gewohnheit nur eine einzige Karte dabeihatte. Der Strandurlaub fiel damit erst einmal gründlich ins Wasser, noch bevor ich überhaupt im Wasser war.

Nach einer Telefonodyssee mit der Bank erhielt ich irgendwann die erlösende Nachricht: Eine neue Karte werde unverzüglich per Post verschickt. Ich konnte sie sogar schon vorab aufs Handy laden, um wieder flüssig zu sein.

Da kam allerdings schon die zweite Unglückswelle. Denn die Brandung vor Teneriffa zeigte sich am nächsten Tag von ihrer spektakulären Seite, und ich beschloss, die Wellen mit dem Handy zu filmen. Kein schlauer Gedanke. Denn eine der nahenden Wellen wuchs und wuchs – und ich fand mich plötzlich in einem unfreiwilligen Rückwärtssalto wieder. Und das Telefon – samt frisch aktivierter digitaler Kreditkarte – innerhalb Sekunden irgendwo in den Fluten. Statt Strand hieß es am nächsten Tag also, mit dem Bus in die Inselhauptstadt zu fahren, wo mir ein Freund ein neues Telefon spendieren musste. Nach diesen Ereignissen war aber klar: Ich brauchte dringend Urlaub vom Urlaub.« Simon Maurer, SPIEGEL-Autor

Ich wünsche Ihnen ein buntes neues Reisejahr mit schönen Erlebnissen in aller Welt!

Herzliche Grüße

Ihre Julia Stanek

*Auflösung des Bilderrätsels: Die Hausboote drängen sich auf dem Regent’s Canal nördlich des Londoner Zentrums.

Oulu im Westen Finnlands ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas

Foto: Tero Suutari / City of Oulu

Draußen in East Sussex: Auf Wanderpfaden lässt sich die Gegend rund um Ashdown Forest wohl am besten erleben. Das Foto zeigt eine Route bei Duddleswell, hin zum Friends Clump, einer Ansammlung von Waldkiefern

Foto: Christopher D Page / Cavan Images / IMAGO

Hingucker: Ein Bild zum Rätseln

Foto: Adrian Dennis / AFP

Schneevergnügen: Björn Dziambor und seine damalige Lebensgefährtin Annika Schwertner auf dem PCT

Foto: Annika Schwertner; Björn Dziambor / Piper Verlag

Helleren im Jøssingfjord: Die zwei Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert hat Christophe Jacrot für »Winterland« fotografiert

Foto: Christophe Jacrot / teNeues

Verwandte Artikel

Next Post