Streckensperrung bei Köln trifft den Güterverkehr

Die Sperrung der Bahnstrecke von Köln über Wuppertal nach Hagen in den kommenden fünf Monaten trifft Reisende – und den Güterverkehr in Nordrhein-Westfalen. Aber: »Anders als bei Personenzügen kann man im Güterverkehr keinen Schienenersatzverkehr einrichten«, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer des Branchenverbands Güterbahnen.

Die Bahn hat die wichtige Strecke von Köln nach Hagen bis zum 10. Juli komplett gesperrt. Hier verkehrten normalerweise 20 bis 30 Güterzüge pro Tag und müssten nun weite Umleitungen fahren, erklärt der Branchenvertreter. »Wenn dann noch Störungen dazukommen, gehen die Kosten hoch.« Der Verband der Güterbahnen vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von 110 Mitgliedsunternehmen aus der Branche.

Acht statt fünf Stunden Fahrtzeit

Für Reisende ist die Sperrung ein Ärgernis: Fernzüge etwa von Köln nach Berlin werden weiträumig umgeleitet, anstelle von Regionalzügen fahren Ersatzbusse. Doch für den Güterverkehr werde das Sanierungsprojekt an die Substanz gehen, argumentiert Westenberger: »Wenn Züge nicht mehr nach Fahrplan fahren können und der Transport durch Umleitungen zu teuer wird, weichen Kunden auf die Straße aus.« Man beobachte schon seit Jahren einen deutlichen Rückgang des Gütertransports auf der Schiene. »Das ist das Gegenteil von dem, was politisch gewollt ist«, betonte Westenberger.

Die unzähligen kleinen und großen Baustellen im Schienennetz machen dem Güterverkehr inzwischen sehr zu schaffen. »Bei einer Strecke, für die ein Zug früher fünf Stunden gebraucht hat, braucht er heute oft acht Stunden«, sagt Westenberger. Das sorge für spürbare zusätzliche Kosten und mache den Güterverkehr auf der Schiene weniger konkurrenzfähig – besonders bei kleineren Gütern oder kurzen Strecken, die man auch mit Lastwagen transportieren könne.

Entscheidend sei deshalb, dass Baustellen im Schienennetz besser koordiniert würden. Wenn Vollsperrungen von wichtigen Strecken unvermeidlich seien, müsse die Bahn zumindest die Umleitungsstrecken auch für den Güterverkehr besser vorbereiten und bei Störungen dort besonders schnell reagieren, forderte er.

Weitere große Bauprojekte geplant

In den nächsten Jahren will die Bahn bundesweit rund 40 wichtige Strecken modernisieren und für den digitalen Ausbau vorbereiten. Denn das marode und überlastete Netz gilt als Hauptgrund für die mangelnde Zuverlässigkeit der Bahn. Allerdings sind dafür meist mehrmonatige Sperrungen nötig. Selbst diese Zeit reicht nicht aus, alle Mängel zu beseitigen: So werden auf der Strecke zwischen Köln, Wuppertal und Hagen die maroden Stellwerke vorerst nicht saniert.

Etwa zehn Großprojekte betreffen Strecken in Nordrhein-Westfalen. Dabei kommt es immer wieder zu Pannen. Als im November der Kölner Hauptbahnhof gesperrt wurde, konnten die geplanten Arbeiten am Stellwerk wegen eines Softwarefehlers nicht vollendet werden, eine weitere Sperre wird deshalb nötig sein. Mehr dazu hier. Ab Juli 2026 sind umfangreiche Arbeiten an der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden vorgesehen.

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