Warum Gold und Silber keine solide Geldanlage sind

Wenn Sie in den vergangenen Wochen Gold oder gar Silber gekauft haben, wollten Sie wahrscheinlich nicht nur zocken. Zugegeben, die Kursentwicklung hatte ihren Reiz, der Goldpreis war binnen eines Jahres um 50 Prozent angestiegen, der Silberpreis hatte sich sogar auf über 110 Dollar je Feinunze verdreifacht. Am letzten Montag im Januar stieg der Silberpreis in 24 Stunden um zwölf Prozent.

Aber tief in Ihrem Herzen spielte wahrscheinlich noch ein zweites Motiv eine Rolle: Sie wollten sich absichern.  Gegen weltpolitische Verwerfungen und einen US-Präsidenten, der seinen Nachbarländern wahlweise mit Annexion oder mit Zöllen droht. Gegen eine Art politischen Bürgerkrieg in den USA, nachdem die Deportationsschergen der ICE zweimal in kurzer Zeit engagierte Bürger auf offener Straße erschossen hatten.

Am meisten aber vielleicht gegen einen US-Präsidenten, der die bisherige finanzpolitische Ordnung des Westens fundamental infrage stellt. Indem er den Chef der eigentlich unabhängigen US-Notenbank, Jerome Powell, demontiert und möglicherweise durch einen willfährigen Lakaien ersetzt. Damit sich die USA weiterhin ungebremst auf Pump finanzieren können .

Es ist nur leider so: Wenn Sie Sicherheit in Edelmetallen suchen, landen Sie ausgerechnet in Märkten, die alles andere als stabil sind. Denn mindestens ein Teil der Käufer der Edelmetalle handelt nicht aus Sicherheitsbedürfnis. Mit Gold wird viel spekuliert, mit Silber aktuell noch mehr. In solchen Zeiten gilt dann: Wo es schnell rauf geht, kann’s auch schnell wieder runtergehen. Der Silberpreis, der am Montag um zwölf Prozent gestiegen war, fiel am Freitag um 31 Prozent.

Gold und Silber haben historisch immer mal wieder zur Spekulation eingeladen . Und die Letzten, die auf den Zug aufsprangen, haben oft viel verloren.

Während der Ölkrise und anschließenden US-Geiselkrise in Teheran 1980 etwa stieg der Goldpreis auf mehr als 800 Dollar pro Feinunze, einen Preis, den das Edelmetall erst vor der Finanzkrise Ende 2007 wieder erreichte. Auch der Silberpreis  erreichte im März 1980 einen Stand, den er erst 2025 wieder erklomm.

Die Spekulationsspitze von 1980 ging auf eine der größten Fehlspekulationen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte zurück. Die texanischen Gebrüder Hunt, aus Ölgeschäften ihrer Familie mit einem Milliardenvermögen gesegnet, trieben den Silberkurs mit Spekulationen auf Silber Futures, auf künftige Preissteigerungen, von 1,50 Dollar pro Feinunze im Jahr 1975 auf fast 50 Dollar im Frühjahr 1980. Dann stoppten die US-Börsen die drei Brüder durch Änderungen der Handelsregeln und trieben die Hunts in den Ruin.

Spekulanten mussten plötzlich als Anzahlung für den Kauf von Silber Futures deutlich mehr Geld auf den Tisch legen als zuvor. Aus Silbermilliardären wurden Millionäre, die sogar ihre Zucht-Pferde verpfänden mussten. Der Silberkurs fiel in der Folge wieder auf unter zehn Dollar und verharrte 20 Jahre lang zwischen fünf und zehn Dollar. Erst zur großen Finanzkrise 2008/2009 stieg der Preis für die Feinunze wieder langfristig über zehn Dollar und erst 2024 wieder auf mehr als 50 Dollar pro Feinunze.

Einen Crash wie damals erleben wir gerade wahrscheinlich nicht. Wohl aber erneut eine massive Spekulation. Und auch dabei können Sie eine Menge Geld verlieren.

Voraussetzungen fürs Zocken

Deshalb mein Rat: Spekulieren Sie einfach nicht. Erfolgreiches Spekulieren gelingt nur selten. Und Sie erfüllen sehr wahrscheinlich nicht einmal die notwendigen Voraussetzungen fürs erfolgreiche Spekulieren. Vier Voraussetzungen sollten beim Zocken gegeben sein:

  • Sie müssen über die bestmöglichen Informationen verfügen, um ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen.

  • Sie müssen über die Zeit verfügen, an der Spekulation teilzunehmen oder über eine Maschine, womöglich KI-gestützt, die das für Sie tut.

  • Sie sollten über genug finanzielle Mittel verfügen, um bei einem solchen Pokerspiel mitzumachen.

  • Sie sollten über hinreichende politische Quellen verfügen, um abschätzen zu können, wann sie aufhören sollten zu spekulieren.

Politisch brauchte es diesmal nur einen kleinen Flügelschlag, um aus der Spekulation viel Luft herauszulassen. Als US-Präsident Donald Trump ausgerechnet Kevin Warsh zu seinem Kandidaten für den Chefsessel bei der US-Notenbank Fed erklärte, fielen die Kurse. Warsh ist ein Banker, der in der Vergangenheit als ein Anhänger hoher Zinsen und niedriger Schulden aufgefallen war. Und der zudem noch während der Finanzkrise 2008/2009 eine tragende Rolle bei der Bewältigung der Krise gespielt hat.

Wenn Sie nun aber nicht zocken möchten: Wie können Sie dann Ihr Geld vermehren? Nun, mit einer soliden Kombination von Tagesgeld  und marktbreiten ETF  – ich werde nicht müde, das zu betonen – hätten Sie mit weniger Risiko sicherer eine schöne Rendite erreicht. Und wenn Sie dann ein bisschen Gold  zum Zocken gemischt hätten, wäre das auch okay.

Zu guter Letzt will ich Ihnen noch erklären, warum der Kauf und Verkauf von physischem Silber  nicht wirklich als Geldanlage taugt.

Wie bei Gold können Sie Ihre Gewinne zwar nach einem Jahr steuerfrei einstecken, doch haben Sie beim Kauf von physischem Silber 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt. Als Privatanlegender bleiben Sie darauf sitzen, denn Sie können beim Verkauf keine Mehrwertsteuer kassieren. Außerdem zahlen Sie im Vergleich zu Goldbarren oder -münzen ein höheres Aufgeld für Silberprodukte. Das ist der Unterschied zwischen dem Börsenpreis und dem Preis, den Sie letztlich für den Kauf zahlen. Zum Aufgeld zählen Kosten für Herstellung, Logistik, Versicherung, Händlermarge und eben die Steuer.

Hinzu kommen hohe Lagerkosten: Die Barren oder Münzen lagern am besten im fest verbauten Tresor oder im Bankschließfach. In beiden Fällen sollten Sie die Versicherungssumme Ihrer Hausratversicherung überprüfen und gegebenenfalls nachversichern. Viele Banken sichern für Schließfächer nur niedrige Versicherungssummen ab, oder gar keine. In der im Dezember ausgeraubten Gelsenkirchener Sparkasse war jedes Schließfach gerade mal mit 10.200 Euro versichert.

Die Wertschwankungen beim Silber sind außerdem hoch. Langfristig fast doppelt so hoch wie die von weltweiten Aktien-ETFs. Das liegt auch daran, dass Silber nur im kleinen Maßstab produziert und gehandelt wird. Und das trotz der industriellen Nutzung. Nach Marktkapitalisierung  ist der Goldmarkt rund sechsmal größer. Große Käufe oder Verkäufe lassen den Silberpreis also schneller reagieren.

Viele Silberkäufer kommen aus der Industrie. 60 Prozent der jährlichen Produktion landen dort. Für E-Autos, Photovoltaikanlagen, Smartphones, Chips und vieles mehr ist Silber unverzichtbar. Den Silberpreis macht diese Nachfrage aber auch konjunkturabhängig.

Insgesamt gilt: Edelmetalle sind kein Ersatz für eine solide Geldanlage. Tragen Sie sie lieber als Schmuck am Körper.

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