Bei der Förderung fossiler Brennstoffe in Deutschland lief es zuletzt nicht gerade rund, ein Gericht stoppte die Ölförderung auf der Bohrinsel Mittelplate. Trotzdem setzt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bei der Gasversorgung nun auf heimische Quellen.
»Wir haben eigene Reserven in Deutschland«, sagte die Bundeswirtschaftsministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe . Die Bundesregierung wolle die Gasförderung »nicht weiter behindern«.
Die CDU-Politikerin sagte: »Es kann hier Gas gefördert werden.« Man habe erst kürzlich den Niederlanden den Weg geöffnet, ein Gasfeld in der Nordsee zu explorieren. »Das sollte – bei aller berechtigten Sorge um Meeresschutz – auch von deutscher Seite aus möglich sein.« Unpopuläre Dinge einfach an die Nachbarn auszulagern, sei auf Dauer nicht durchzuhalten, so Reiche.
Zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abwägen
Entscheidend sei, ob das Gas zu guten Bedingungen förderfähig sei. »Darüber müssen wir sprechen – gerade wenn man nicht so viele Rohstoffe hat, gerade in so herausfordernden geopolitischen Zeiten.« Dabei müsse »sehr sensibel zwischen Umweltinteressen und Rohstoffversorgung abgewogen werden – beides ist berechtigt«.
Auch beim Heizen soll nach dem Willen der schwarz-roten Bundesregierung wieder verstärkt Gas zum Einsatz kommen können – allerdings Biogas. Darauf haben sich die Fraktionen der Regierungskoalition am Dienstag im Rahmen einer Reform des Heizungsgesetzes geeinigt . Für Hausbesitzer sollen demnach beim Heizungstausch deutliche Lockerungen drin sein: Die bisherige Vorgabe eines Anteils von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energien bei der Wärmeversorgung soll entfallen.
Um die als Ausgleich geplante Grüngasquote zu erfüllen – Heizungen sollen zu steigenden Anteilen mit Biomethan und synthetischem Treibstoff betrieben werden – hat Wirtschaftsministerin Reiche nun eine neue Idee.
Nachdem sie erst auf eine Studie verwiesen hatte, die sich laut einem SPIEGEL-Bericht aber nicht ohne Weiteres nachvollziehen ließ , schlägt sie nun vor, grünes Gas aus der Ukraine einzuführen. »Biomethan ist verfügbar, wird hierzulande produziert und schon jetzt im Markt vertrieben. Wo eine Nachfrage ist, wird sich ein Markt bilden«, sagte Reiche den Funke-Zeitungen.
Die Ukraine biete Biogas in großen Mengen an, so Reiche. Es gebe noch regulatorische Herausforderungen aufseiten der Ukraine und der EU. »Aber wenn diese gelöst sind, können wir mit signifikanten Biomethanimporten rechnen«, sagte sie.
Über konventionelles Erdgas dagegen verfügt Deutschland auch außerhalb der Nordsee reichlich. Die Förderung dieser Schiefergasvorkommen mit der umstrittenen Fracking-Methode, bei der in tief liegenden Gesteinsschichten enthaltenes Erdgas mit Chemikalien und Druck extrahiert wird, ist seit 2017 in Deutschland allerdings verboten, weil eine Gefährdung unter anderem für das Grundwasser angenommen wird.