Die drei wichtigsten Lehren
Der Irankonflikt verändert für Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem drei Dinge.
Erstens: Der Krieg am Golf zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, in der Energieversorgung unabhängiger von Diktaturen zu sein – und von fossilen Brennstoffen, soweit es irgend geht. Eigentlich hätten wir diese Lektion spätestens im Ukrainekrieg lernen sollen, als Putin die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas als Waffe einsetzte und uns erst mal der Gashahn zugedreht wurde. Energie muss man sich im Zweifel selbst organisieren.
Der Preis für die Energieabhängigkeit ist wieder sichtbar. Europas Gas-Leitpreis (TTF) an der Börse hat sich von 32 auf 50 bis 60 Euro je Megawattstunde (MWh) erhöht. Solch steigende Großhandelspreise wirken sich zwar nicht in gleicher Weise auf die Endkundentarife aus. Denn darin sind die Preise für neues Gas im kommenden Jahr oder gar in den kommenden zwei Jahren festgeschrieben. Sprich: Die Großhandelspreise prägen den Blick der Gashändler auf die Zukunft. Wer einen neuen Gastarif für die kommenden zwei Jahre abschließen will, musste am Freitag zehn Prozent mehr zahlen als vor dem Krieg.
Beim Öl ergibt sich dasselbe Bild: Der Preis der Rohölsorte Brent liegt nach einer Woche Krieg bei 85 Dollar pro Barrel, vor einer Woche waren es noch 70 Dollar. Ein wichtiger zweiter Index ist noch stärker durch die Decke gegangen: Gasöl, der Börsenpreis für fertigen Diesel und Heizöl. Steigt dieser stärker als Rohöl, ist das ein deutlicher Hinweis auf Engpässe bei Raffinerien und Lieferketten.
Zweitens: Krieg verändert Ihren Blick auf die Geldanlage. Nicht, weil Sie dringend anders handeln sollten, sondern weil die Börsen die Risiken einer kurzfristigen Geldanlage in Aktien überdeutlich zeigen. Wenn Sie, statt langfristig und so weltweit wie möglich anzulegen, kurzfristig in deutschen Aktien investiert haben und das Geld bald brauchen, dann ist der Schaden groß. Zwischen dem Schlusskurs des Dax am 27. Februar 2026 (25.284 Punkte) und dem Kurs am 6. März 2026 am Mittag (23.600 Punkte) liegen fast sieben Prozent Verlust.
Wer marktbreit global angelegt hatte, erlebte in derselben Phase deutlich geringere Ausschläge: beim MSCI World in Euro ungefähr zwei Prozent, beim noch breiteren ACWI (All Country World Index) ähnlich. Den Weltaktienmarkt hat der Kriegsausbruch weniger getroffen als den deutschen. Für Europäer, die in solche Indizes investiert haben, gab es zudem eine zusätzliche Abfederung: Weil der Dollar gegenüber dem Euro anstieg, wäre man mit dem besonders US-lastigen MSCI World und dem ACWI besser gefahren.
Eigentlich aber soll man überhaupt nicht so kurzfristig agieren. Schaut man 15 Jahre zurück, wie ich das für eine Aktienanlage empfehle, liegt das Kursplus seither bei mehr als 400 Prozent, aktuell ist es sogar höher als zum Jahresbeginn. Mein Mantra »breit streuen, lange halten« mag langweilig klingen, ist in Krisen für Sie jedoch hoffentlich besonders nützlich.
Drittens: Reisen bildet – Krieg verhindert Reisen. Und zwar diesmal nicht nur emotional, sondern ganz handfest an den Drehkreuzen im Mittleren Osten. Die Golfstaaten haben ihre Flughäfen und Fluglinien (Dubai, Doha, Abu Dhabi) als Wirtschaftszweig und Brücke zwischen Europa und Asien aufgebaut. Eine halbe Million Passagiere sind dort täglich unterwegs. Zehntausende Urlauber hingen zu Beginn des Kriegs dort fest. Hunderttausende werden überlegen müssen, ob sie die demnächst geplante Reise über diese Drehkreuze noch machen (können) oder nach Alternativen suchen müssen.
Tatsächlich flogen 2025 rund 1,9 Millionen Passagiere ab Deutschland in die oder über die Vereinigten Arabischen Emirate (also inklusive Umsteigen). Katar war für knapp 860.000 Reisende erstes oder letztes bekanntes Streckenziel, so das Statistische Bundesamt.
Was tun beim Heizen?
Was heißt das jetzt für Sie als Verbraucherinnen und Verbraucher?
Beim Heizen mit Gas:
Wenn Sie selbst eine Gasheizung haben (immer noch heizen 50 Prozent der Menschen hierzulande mit Gas), schließen Sie am besten jetzt noch einen Tarif mit Preisgarantie ab. Wenn Ihr aktueller Vertrag erst in den kommenden Monaten ausläuft, können Sie schon jetzt einen Anschlusstarif buchen. Für zwölf Monate kosten die günstigsten von Finanztip empfohlenen Tarife aktuell neun bis zehn Cent pro Kilowattstunde (kWh), für 24 Monate gute zehn Cent. Gute, günstige und verbraucherfreundliche Tarife finden Sie mit Finanztip. So schützen Sie sich gegen das größte finanzielle Risiko für Ihr Haus. Beim Vergleichsportal Verivox hat die Sorge vor bald steigenden Gaspreisen in den vergangenen Tagen übrigens zu doppelt so vielen Vertragsabschlüssen geführt.
Beim Heizen mit Öl:
Heizöl reagiert schneller und direkter auf Krisen. Anfang Januar kostete Heizöl noch unter 90 Cent pro Liter, Anfang dieser Woche schon 1,20 Euro – oder wenn Sie kurzfristig für die kommenden Tage Heizöl benötigen, bereits 1,50 Euro pro Liter. Ihre Entscheidung bleibt eine Wette: Tank jetzt füllen und teurer kaufen – oder hoffen, dass sich der Markt beruhigt. Ich würde den Tank nicht vollmachen, sondern nur die 1000 Liter tanken, die nötig sind, um über das Frühjahr und den Sommer zu kommen. Dazu würde ich mich immer über Heizölportale informieren. Aber eine Glaskugel, wie lange der Krieg dauert und welche Folgen er nach sich zieht, habe ich nicht.
Und an der Zapfsäule:
Hier ziehen die Preise natürlich auch an. Die Ölkonzerne werden die Situation nutzen, ihre Börsenkurse leiden aktuell nicht unter dem Krieg. Für Sie vielleicht ein weiteres Argument, den Kauf eines (gebrauchten) E-Autos vorzuziehen. Für neue, auch im Leasing, gibt es ja sogar wieder Förderung .
Heizung gefördert austauschen
Der Krieg sollte auch Anlass sein, noch einmal über eine neue Heizung ohne fossile Brennstoffe nachzudenken. Je nach Einkommen und Fördervoraussetzungen gibt es dafür insgesamt bis zu 70 Prozent Zuschuss für die ersten 30.000 Euro. 30 Prozent Förderung gibt es für die neue Ökoheizung per se, noch mal 20 Prozent, wenn Ihre alte Heizung noch funktionsfähig ist, und noch mal 30 Prozent, wenn Ihr Einkommen wirklich niedrig ist. Mehr als 70 Prozent Förderung sind aber ausgeschlossen.
Zur neuen Heizung kommen Sie in drei Schritten:
Planen Sie mit einem Energieberater die richtige Heizung. Was passt technisch? Wärmepumpe oder Anschluss ans Wärmenetz? Welche Umbauten sind notwendig, welche rechnen sich?
Holen Sie ein Angebot für das Projekt ein und – wichtig – schließen Sie den Vertrag dann nur mit Fördervorbehalt (aufschiebend/auflösend) ab. Den Antrag auf Förderung stellen Sie natürlich vor dem Start.
Warten Sie die Zusage ab, lassen Sie dann einbauen, reichen Sie danach die Nachweise ein – und erhalten Sie schließlich den Zuschuss.
Ja, das ist Aufwand. Aber wer umsteigen will, hat aktuell noch gute Aussichten auf eine vernünftige Förderung.
Die richtige Strategie fürs Depot
Sie können den Krieg zum Anlass nehmen, nichts zu tun, wenn Sie schon marktbreit, weltweit und langfristig anlegen, mit einem Fonds, der den MSCI World oder gar den MSCI ACWI IMI abbildet . Letzterer bietet die breiteste Streuung, die Sie bekommen können: Neben den MSCI-World-Unternehmen stecken da auch Schwellenländer und kleinere Firmen drin.
Wenn Sie einen Sparplan nutzen, zahlen Sie einfach weiter ein und freuen Sie sich, dass Ihre Anteile aktuell sogar preiswerter werden.
Wenn Ihr Depot noch unaufgeräumt ist oder Sie gern kurzfristig kaufen und verkaufen, dann ist Verkaufen in einer solchen Situation meist keine gute Idee. Es sei denn, Sie brauchen das Geld aus dem Verkauf wirklich dringend. Einzelaktien kaufen Sie nur als Spekulant. Auf einen marktbreiten Sparplan umzusteigen, kann beim Aufräumen eine gute Idee sein.
Ein paar Mechanismen kann ich hier noch erklären:
Je weniger marktbreit Sie anlegen, desto höher ist Ihr Risiko für kurzfristige Verluste, die Sie langfristig auch nicht wieder kompensieren. Mit einer marktbreiten Anlage machen Sie sich weniger von einzelnen Unternehmen, Branchen oder Regionen abhängig. In weltweiten Krisensituationen geht natürlich auch ein marktbreites Investment nach unten. Der Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch: In der Breite haben sich die Kurse langfristig immer wieder erholt. Das war schon bei vorigen Kriegen in der Welt und selbst bei der Finanzkrise 2008 der Fall.
Es kann sein, dass Ihr MSCI-World-Depot auch kurzfristig noch besser aussieht als gedacht. Viele der Aktien im MSCI World oder auch im ACWI IMI werden in Dollar notiert. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro wieder steigt, wie in der vergangenen Woche, werden Ihre Anteile in Euro wertvoller, und das kann einen Teil Ihrer aktuellen roten Zahlen ausgleichen.
Bleiben Sie also ruhig.
Was ist mit Reisen?
Wenn Freunde oder Familie aktuell noch im Nahen Osten unterwegs sind, drücke ich ihnen die Daumen, dass sie schnell und wohlbehalten wieder nach Hause kommen. Rechtlich ist die Situation relativ einfach. Wenn Flüge ausfallen, müssen Fluglinien oder Veranstalter Sie zurückbringen oder unterstützen. Entschädigung gibt es in solchen Lagen keine, schließlich können die Fluggesellschaften nichts dafür.
Ihren Job können Sie nicht verlieren, wenn Sie nicht rechtzeitig nach dem Urlaub wieder in der Firma auftauchen. Dass Sie dort festsitzen, ist höhere Gewalt. Bezahlen muss Ihr Arbeitgeber Sie aber nicht. Natürlich sollten Reisende so schnell wie möglich Kontakt aufnehmen – auch mit dem Arbeitgeber. Das Internet funktioniert in den Golfstaaten noch.
Wollen Sie in den kommenden Wochen und Monaten über die Drehkreuze am Golf verreisen, müssen Sie nüchtern abwägen: Das Reisen über diese Routen wird teurer und unzuverlässiger.
Wenn Sie flexibel sind, erwägen Sie europäische Alternativen. Auf den Balkan, nach Griechenland oder Portugal statt nach Fernost. Je stärker Sie zeitlich schon festgelegt sind, desto schneller sollten Sie sich entscheiden.
Pauschalreisen kostenlos stornieren können Sie im Normalfall nur, wenn es eine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt gibt. Das Auswärtige Amt hat eine schöne App, auf der Sie alle Reisewarnungen nachsehen können.
Bei Flügen ist Ihre Situation noch schwieriger, solange die Fluglinie Ihren Flug weiter anbietet. Hier klafft ein riesiges Loch beim Verbraucherschutz, weil Sie den Flug meist lange vor der konkreten Reise buchen und bezahlen müssen.
Was können Sie jetzt von der Politik erwarten?
Kurzfristig sollte die Regierung denen helfen, die durch die Veränderung bei den Energiepreisen in Not geraten. Also nicht allen und nicht pauschal wie bei der Energiepreisbremse oder der Spritpreisbremse.
Mittelfristig muss die Regierung für alle Hausbesitzer Anreize setzen, die Energierechnung persönlich zu reduzieren. Dazu gehört, die Einspeisevergütung für Solarstrom vom Hausdach eben gerade nicht abzuschaffen, wie Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) das vorhat. Ebenso notwendig ist es, neue, mit erneuerbaren Energien betriebene Heizungen zu fördern, mehr Wärmedämmung zu fördern und die Heizungsförderung so einfach wie möglich zu machen.
Es braucht zudem eine vernünftige und unabhängige Preisaufsicht bei der Fernwärme, damit nicht Mieterinnen und Mieter Opfer steigender Heizungskosten werden.
Im Reiserecht zeigt der aktuelle Krieg einmal mehr, dass die Sonderrechte der Fluglinien durch Vorkasse einfach überholt sind. Das muss sich ändern, auch wenn es dann für den Einzelnen etwas teurer wird. Sicherheit hat ihren Preis.
Schließlich können wir uns glücklich schätzen, dass auch dieser Krieg uns nicht unmittelbar erreicht. Dafür zu sorgen, ist und bleibt Hauptaufgabe demokratischer Politik in Deutschland.