Netflix-Mitgründer Hastings geht – Aktie fällt

Mitten in einer kritischen Phase verliert Netflix eine Führungsfigur. Der Mitgründer und Verwaltungsratsvorsitzende Reed Hastings werde sich bei der Hauptversammlung im Juni nicht zur Wiederwahl stellen, teilte der weltgrößte Streaminganbieter am Donnerstag mit. Er wolle ​sich nach 29 Jahren auf wohltätige Zwecke und andere Projekte konzentrieren.

Netflix-Aktien brachen im nachbörslichen Handel an der Wall Street um acht Prozent ein. Die Spitzenpersonalie verunsichere ‌Anleger, sagte Analyst Richard Greenfield vom Research-Haus LightShed. Auch eine enttäuschende Gewinnprognose dürfte den Kursrückgang mitverursacht haben.

Der Streamingriese sagte für das laufende Quartal einen operativen Gewinn von 78 US-Cent je Aktie voraus, während Analysten im Schnitt mit einer Prognose von 84 Cent gerechnet hatten. Anleger waren von höheren Gewinnen ausgegangen, nachdem Netflix den Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers verloren hatte.

Nach der gescheiterten Übernahme von Warner Brothers (mehr dazu hier) muss sich Netflix neu aufstellen, weil das Unternehmen nun keinen Zugriff auf Inhalte wie die »Harry Potter«-Reihe oder die TV-Serie »Game of Thrones« erhält. »Unsere Mission bleibt ehrgeizig und unverändert: die Welt zu unterhalten«, betonte das Management in einem Aktionärsbrief. Daher würden erfolgreiche eigene Formate wie »Bridgerton« weiterentwickelt.

Der Unterhaltungskonzern plant auch eine Fortsetzung von »KPop Demon Hunters«. Der oscarprämierte Animationsfilm ist der bislang erfolgreichste ​der Firmengeschichte. Zudem ist eine weltweite Konzerttournee vorgesehen, bei der die Lieder aus dem ersten Film live aufgeführt werden. Der Song »Golden« schaffte es in ⁠zahlreichen Ländern wie den ⁠USA, Großbritannien und Deutschland auf Platz eins der Charts.

Mehr Werbung, mehr Liveacts

Gleichzeitig entwickelt sich Werbung zu einem weiteren Standbein des Streaminganbieters. Die Zahl der Werbekunden sei binnen eines Jahres um 70 Prozent gestiegen, betonte Netflix. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit Erlösen ‌von etwa drei Milliarden Dollar aus diesem Geschäft. »Wir treten in eine Phase ein, in der sich ​das Unternehmen zu einer ‌der weltweit größten Werbeplattformen entwickelt«, sagte Portfoliomanager John Belton vom Vermögensverwalter Gabelli.

Netflix erhöht regelmäßig die Gebühren für die klassischen Abonnements, um Nutzer zum Umstieg auf günstigere, werbefinanzierte Angebote zu bewegen. Diese versprechen langfristig höhere Einnahmen pro Kunde. Dazu muss das Unternehmen Zuschauer möglichst lange vor dem Bildschirm halten. Dies sollen Liveübertragungen wie das Konzert der K-Pop-Band BTS oder Sportereignisse erreichen. Als ‌Ergänzung dazu nimmt Netflix auch Video-Podcasts ins Programm auf.

Höherer Gewinn durch Vertragsstrafe

Die Zahlen des abgelaufenen Quartals überraschten kaum. Der Umsatz kletterte um 16 Prozent ‌auf 12,25 Milliarden Dollar und ​übertraf die Markterwartungen leicht. Der Gewinn verdoppelte sich jedoch auf 1,23 Dollar je Aktie. Netflix profitierte von einer 2,8 Milliarden Dollar schweren Sondereinnahme. Warner musste eine Vertragsstrafe ​zahlen, weil sich der Unterhaltungskonzern nach einem monatelangen Bieterwettstreit für die Offerte von ⁠Paramount Skydance entschieden hatte.

Netflix-Mitgründer Reed Hastings

Foto: David Swanson / REUTERS

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