Es gibt 70.000 Wirbeltierarten auf der Erde – und jede muss ihren eigenen Weg finden, sich mit dem Menschen zu arrangieren. Mein Kollege Johann Grolle hat sich angesehen, zu welchen Extremen der Selektionsdruck unsere tierischen Mitbewohner treibt. Seine Geschichte lesen Sie hier .
Tempelaffen auf Bali haben eine findige Methode der Nahrungsbeschaffung gefunden: Sie stehlen Touristen Brillen, Handys, Hüte oder Schmuck und rücken diese erst im Austausch gegen Leckerbissen wieder heraus.
Auch Kakadus in Sydney wissen sich zu helfen: Vor rund zehn Jahren entdeckte ein cleverer Vogel dort eine Methode, mit der sich die örtlichen Mülltonnen öffnen lassen. Im Handumdrehen guckten sich andere den Trick ab. Nur zwei Jahre dauerte es, bis sich das Know-how des Deckelöffnens fast übers gesamte Stadtgebiet ausgebreitet hatte.
Johann traf für seine Geschichte über den Selektionsdruck den Münsteraner Verhaltensbiologen Norbert Sachser. In seinem Buch »Tierwelt am Limit« beschreibt Sachser, wie die Anpassungsfähigkeit der Tiere für sie zur Überlebensfrage in einer vom Menschen umgebauten Welt wird.
Vielerorts, warnt er, seien bereits Grenzen erreicht: »Wenn wir jetzt nicht handeln, dann steht uns ein weltweites Massenaussterben bevor.«
Sachser, so schreibt Johann, wolle aber auch ein Zeichen der Hoffnung setzen. Viele Tiere wüssten sich richtig zu verhalten, oftmals sogar angesichts von Anforderungen, denen sie nie zuvor begegnet sind. Und auch ihre Gene können sich dabei verändern. Die Evolution wirke schneller, als es die Biologen lange angenommen hatten.
Herzlich,
Ihre Kerstin Kullmann
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Affe auf Bali: Geklautes Handy gegen Leckerbissen
Foto: Paul Biris / Getty Images