Dies ist das Bild des Jahres

Kinderhände klammern sich am Pullover des Vaters fest, Männerhände versuchen die Kleinen wegzuziehen: Eine Familie wird vom Staat auseinandergerissen. Für die Jury des World Press Photo Awards ist dies das Foto des Jahres.

Das Bild wurde von der Fotografin Carol Guzy am 26. August 2025 im Jacob K. Javits Federal Building in New York City aufgenommen. Es war eins der wenigen Regierungsgebäude, die für Fotografinnen und Fotografen noch frei zugänglich waren zu diesem Zeitpunkt. Guzy suchte im Sommer des vergangenen Jahres Tag für Tag den Ort auf, um zu dokumentieren, wie die maskierten Männer vom Immigration and Customs Enforcement (ICE) Migranten festsetzten, um sie direkt nach ihren Anhörungen zu Sammelstellen für die Massendeportationen zu bringen.

Guzys Foto zeigt, wie ein Familienvater abgeführt wird, während sich seine beiden Teenagertöchter an ihn zu klammern versuchen und seine Ehefrau und Mutter der Töchter hilflos vor dem Geschehen kapituliert. Zur Familie gehört auch noch ein jüngeres Kind, das nicht auf dem Foto zu sehen ist. Der Vater fungierte bislang als alleiniger Ernährer; wie Frau und Kinder ohne ihn ihr Leben finanzieren sollen, ist unklar.

In einem Statement betont Fotografin Guzy, dass der Preis für das Foto nicht ihr gehöre, sondern der abgebildeten Familie: »Denn erst ihr Mut, ihr Leben der Kamera zu öffnen, erlaubt es uns, ihre Geschichte zu erzählen.«

Der World Press Photo Award ist der weltweit wichtigste Preis seiner Art. Hier geht es weniger um ästhetische Feinheiten als um journalistische Dringlichkeit.

World-Press-Photo-Geschäftsführerin Joumana El Zein Khoury sagt zum diesjährigen Gewinnerbeitrag: »Das Bild zeigt die untröstliche Trauer von Kindern, die ihren Vater in einem Gebäude verlieren, das einst errichtet wurde, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Es ist ein notwendiges Dokument der Trennung von Familien durch die Änderungen in der US-Politik, ein machtvolles Beispiel, weshalb unabhängiger Fotojournalismus für die Demokratie zentral ist.«

Fotografin Guzy: »Erst ihr Mut, ihr Leben der Kamera zu öffnen, erlaubt es, uns ihre Geschichte zu erzählen.«

Foto: Andrea Pritchard

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