»Wenn ich im Driver Seat sitze, muss ich fahren«

»So wie es bisher gelaufen ist, kann es keinesfalls weitergehen«: Der frühere Bundespräsident Christian Wulff fordert einen Neuanfang von der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU). In einem Interview der »Süddeutschen Zeitung« kritisiert Wulff die schwarz-rote Koalition: »Der Jahreswechsel muss von der Regierung wirklich als Anlass zur Erleuchtung genutzt werden«, sagt Wulff. »Da braucht es einen echten Neustart.«

In einer Krise müsse man handeln, sagt Wulff, der von 2003 bis 2010 Ministerpräsident von Niedersachsen war. »Es nutzt also nichts, immer zu klagen, man sei von den Umständen geschlagen, vom Ukrainekrieg, von der Zollpolitik der Amerikaner oder sonst irgendwelchen widrigen Umständen. Die entscheidende Frage ist: Wie reagieren wir darauf?« Wer am Steuer sitze, könne nicht immer nur die Probleme beschreiben. »Wenn ich im Driver Seat sitze, muss ich fahren.«

Die Kommunikation der Regierung müsse besser werden, man müsse aber auch mehr Ergebnisse liefern: »Diese kleine große Koalition muss sich schnell auf viel mehr einigen und dies konsequent umsetzen«, sagte Wulff. »Da kann man auch mal ein Zeichen setzen und sagen: Wir selbst kommen mit weniger Ministerien, mit weniger Mitteln aus. Denn das ist entscheidend: Die Menschen brauchen eine Verheißung. Dann sind sie auch bereit, Opfer zu bringen.«

Die Migrationsdebatte in Deutschland kritisierte Wulff ebenfalls. Viele Menschen wollten nicht sehen, welche Chancen in Zuwanderung und einer vielfältigen Gesellschaft lägen, auch wirtschaftlich. »Bei uns leben viele kluge Syrer. Wenn wir die pendeln lassen, können sie ihr Heimatland wieder aufbauen, zum Vorteil der deutschen Wirtschaft. Ähnlich ist es in Gaza oder der Ukraine: Der Wiederaufbau, der nötig sein wird, bietet enorme Chancen für die deutsche Wirtschaft.«

Innenpolitisch tut sich Friedrich Merz seit seiner Wahl zum Kanzler am 6. Mai schwer: Seine Beliebtheitswerte sind niedrig, das Zutrauen in die Arbeit seiner Regierung gesunken. Mehr über die politischen Aufsteiger des Jahres 2025 lesen Sie hier.

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