Der ehemalige SPD-Politiker Sigmar Gabriel sorgt sich offenbar um das Schicksal des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er sei zutiefst beeindruckt von Auftreten und Durchhaltevermögen Selenskyjs, sagte Gabriel im »Bild«-Talk: »Ich habe Riesenrespekt vor ihm, denn was er da in den letzten Jahren geleistet hat, mitten im Krieg, selbst in gefährlichen, lebensgefährlichen Situationen, sein Land beieinanderzuhalten, den Mut nicht zu verlieren, den Menschen den Mut zu geben.«
Aber er fürchte um die Sicherheit des Präsidenten: »Ich hoffe, dass es ihm nicht so geht wie vielen, die am Ende eines langen Krieges den Mut zum Frieden hatten.« Es gebe »schlimme Beispiele dafür, dass die, die den Frieden gemacht haben, es nicht lange überlebt haben: Das war in der Weimarer Republik so mit Walther Rathenau, das war so mit Yitzhak Rabin in Israel oder Anwar al-Sadat in Ägypten. Ich hoffe, dass Selenskyj dieses Schicksal erspart bleibt.«
Gabriel warnte in dem Gespräch zudem vor einem »Friedhofsfrieden«, der nur die »Kapitulation« der Ukraine besiegeln würde: »Wir Deutschen sollten wissen, was diese Art Frieden langfristig für Folgen haben kann: ein zweites Versailles, bei dem die Siegermacht dem Opfer einen Frieden aufdrückt, der in Wahrheit ein Diktatfrieden ist.«
Gabriel plädierte für weitere Waffenlieferungen an die Ukraine. Seine Begründung: »Wenn Wladimir Putin die Erfahrung macht, er kann gewinnen mit militärischer Gewalt, dann wird es danach andere Länder geben, in denen er das wieder probiert.« Daher müssten Deutschland und Europa alles daran setzen, dass Russland den Krieg nicht gewinnt.
Angeblicher Drohnenangriff auf Putin-Residenz
Selenskyj hatte sich vor wenigen Tagen abermals mit US-Präsident Donald Trump getroffen, um Fortschritte bei einem möglichen Friedensdeal mit Russland zu erreichen. Beide Präsidenten gaben sich nach dem Gespräch zuversichtlich. Einen Tag später behauptete Russland, es hätte einen ukrainischen Angriff auf eine von Wladimir Putins Residenzen gegeben. Der Kreml kündigte daraufhin Konsequenzen für die Friedensverhandlungen an.
Selenskyj reagierte ungehalten auf die Vorwürfe. Es handele sich um »verdammten Schwachsinn der Russischen Föderation«, sagte er. Weil es Fortschritte im Friedensprozess gebe, suche Moskau nach Vorwänden, um den Krieg nicht zu beenden, »weil sie diesen Krieg nicht beenden wollen«.
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