Die Regel soll für Transparenz sorgen: Erhält eine Partei eine Spende von 35.000 Euro oder mehr, müssen Spender und Spendensumme veröffentlicht werden. Im vergangenen Jahr hat die CDU 69 solcher Großspenden erhalten, darunter von Milliardärinnen und Milliardären wie Arendt Oetker, Stefan Quandt, Daniela Porsche und Carsten Maschmeyer.
Linkenchef Jan van Aken wollte nun wissen: Wie häufig haben sich bestimmte Milliardäre, die 2025 für die CDU gespendet haben, oder Vertreter ihrer Unternehmen mit Mitgliedern der Bundesregierung ausgetauscht? Die Antworten der Bundesregierung auf van Akens Fragen liegen dem SPIEGEL vor. Demnach gab es 2025 mindestens 17 Kontakte zwischen Regierungsvertretern und den von van Aken benannten Milliardären oder ihren Unternehmen.
Die Bundesregierung schreibt in ihren Antworten, sie pflege Kontakte »mit einer Vielzahl von Akteuren aller gesellschaftlichen Gruppen«. Diese fänden zum Teil persönlich statt, aber auch telefonisch, schriftlich und elektronisch. Nicht immer sei jeder Kontakt daher vollständig zu erfassen.
Verzeichnet sind eben jene 17 Kontakte. Davon gab es zwei mit Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt und zwei mit Außenminister Johann Wadephul. Je viermal gab es Kontakt zu Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Forschungsministerin Dorothee Bär, dreimal zu Kanzleramtsminister Thorsten Frei und zweimal zu Digitalminister Karsten Wildberger.
Maschinenbauer, Bankiers und ein Großaktionär
Allerdings hatte nur ein Milliardär, nach dem die Linke gefragt hatte, einen bestätigten persönlichen Kontakt zur Bundesregierung. Milliardär Stefan Quandt tauschte sich mit Digitalminister Wildberger aus. Quandt ist Großaktionär bei BMW und gehört zu den reichsten Deutschen mit einem von Forbes geschätzten Vermögen von etwa 25 Milliarden US-Dollar. Er hatte 2025 der CDU 200.000 Euro gespendet.
Bei den anderen erfassten Kontakten handelt es sich um Kontakte zu nicht genauer genannten Unternehmensvertretern. Am häufigsten gab es Austausch mit Vertretern der Trumpf SE & Co. KG, einem Maschinenbaukonzern der Milliardärsfamilie Leibinger. Das Unternehmen hatte der CDU 50.000 Euro gespendet.
Darüber hinaus hatten Mitglieder der Bundesregierung Kontakt zu Vertretern der Viessmann Generations Group GmbH und der Berenberg Bank, deren Haupteigentümer die Familie von Berenberg ist. Von der Familienholding Viessmann hatte die CDU 255.000 Euro erhalten, von der Berenberg Bank 100.000 Euro.
Die Linke kritisiert die Kontakte scharf. »Der Fließbandarbeiter von BMW, dem Herr Quandt seinen unverschämten Reichtum zu verdanken hat, würde sicher auch gerne mal mit Herrn Merz sprechen, aber der bekommt ganz sicher keinen Termin«, empört sich Parteichef Jan van Aken. CDU und CSU bezeichnet er als »von Milliardären finanzierte Parteien«.
Parteien in Deutschland finanzieren sich vor allem durch Mitgliedsbeiträge, Geld vom Staat und Spenden. Die CDU erhält deutlich mehr Großspenden als andere Parteien, 2025 waren es insgesamt 6,6 Millionen Euro.
Dass Mitglieder der Bundesregierung direkten Kontakt zu Unternehmensvertretern haben, ist aber nichts Ungewöhnliches. Auch die Vorgänger im Kanzleramt, Olaf Scholz (SPD) und Angela Merkel (CDU), haben sich regelmäßig mit Wirtschaftsgrößen getroffen. Dass Spender eine Vorzugsbehandlung bekommen, wie van Aken insinuiert, lässt sich kaum nachweisen. Es gab allerdings in der Vergangenheit schon häufiger Kritik an Kontakten von CDU-Ministern zu Wirtschaftsvertretern.
Jan van Aken will Terminverbot für Großspender
Van Aken fordert nun strengere Regeln und mehr Transparenz. »Wir kritisieren, dass diese Treffen gar nicht offengelegt werden müssen«, sagt van Aken. Die Linke habe davon nur Kenntnis erhalten, weil ihr als Partei im Parlament das Recht zustehe, bei der Regierung nachzufragen. Dem Linkenchef schwebt eine Art Ausschluss von Großspendern vor. Es solle gelten: »Wer so viel Geld gespendet hat, bekommt gerade keine Termine mehr mit Kanzler, Ministern und Staatssekretären«, so van Aken.