Verteidigungsminister Boris Pistorius zeigt sich vor dem Start des von ihm entworfenen neuen Wehrdienstmodells optimistisch, dass sein Prestigeprojekt ein Erfolg wird. In einem Brief an die Regierungsfraktionen schreibt der SPD-Minister, er wolle schon im ersten Jahr 20.000 Freiwillige für den neuen Wehrdienst gewinnen. »Ich bin überzeugt, dass uns dies gelingen wird«, heißt es in dem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt. Darin skizziert Pistorius die wichtigsten Projekte seines Hauses für das Jahr 2026.
Bisher hatte sich Pistorius bei der Nennung von konkreten Zahlen, wie viele Freiwillige er im ersten Jahr gewinnen will, stets zurückgehalten, da er am Ende des Jahres an solchen Zielen gemessen werden könnte. In der teils hitzigen Diskussion über sein Modell aber hatte die Union stets eingefordert, konkrete Zahlen zu nennen. Geht es nach CDU und CSU soll anhand der Zielmarken entschieden werden, ob das weitgehend freiwillige Modell funktioniert oder doch eine Rückkehr zur Wehrpflicht nötig ist.
Die Zielmarke von 20.000 Freiwilligen ist durchaus ambitioniert. Im vergangenen Jahr meldeten sich nur etwas mehr als 12.000 Männer und Frauen für den bereits existierenden Freiwilligen Wehrdienst (FWD) – deutlich weniger, als sich die Bundeswehr vorgenommen hatte. Pistorius wollte bis Ende 2025 eigentlich auf 15.000 Freiwillige kommen.
Der neue Wehrdienst soll für junge Menschen deutlich ansprechender werden als das bisherige Modell. Vor allem die gute Bezahlung soll mehr Männer und Frauen zur Bundeswehr locken, zudem soll der Dienst selbst deutlich attraktiver werden. In dem Brief an die Fraktionen schreibt Pistorius, er plane einen »sinnstiftenden und attraktiven Dienst«, dies sei sein »klares Bekenntnis und Ziel«. Im Sommer 2027 will er sein Modell evaluieren, um möglicherweise Änderungen vorzunehmen.
Mit der Nennung der Zahlen geht Pistorius ein politisches Risiko ein. Die Union forderte über die Feiertage immer wieder, dass man schon Ende des Jahres 2026 über die Rückkehr zur Wehrpflicht debattieren müsse. Wenn es dem Minister und seinem Apparat bis dahin nicht gelingt, die eigenen Ziele zu erreichen, dürfte dies von der Union als Argument ausgeschlachtet werden.