In Stuttgart spielt jetzt das Panikorchester

1. Plötzlich Kopf-an-Kopf in BaWü

In der 90. Minute 3:0 führen und dann in drei Minuten Nachspielzeit noch drei Tore kassieren: wäre die Landtagswahl in Baden-Württemberg am Sonntag in einer Woche ein Fußballmatch, dann hätte sie diesen Spielverlauf. Immerhin hat die CDU einen komfortablen Vorsprung innerhalb kürzester Zeit verdribbelt.

Monatelang lag die Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel bequem mit bis zu vierzehn Prozentpunkten vor den Grünen. Am Donnerstag und Freitag erschütterten Umfragen von ARD und ZDF die Union: Der Vorsprung auf Cem Özdemirs  Grüne beträgt nur noch ein bis zwei Prozentpunkte . Ob sich darin die Effekte des acht Jahre alten Videos abbilden, das anzügliche Aussagen von Hagel dokumentiert , dazu gibt es in der Partei verschiedene Bewertungen.

Meine Kolleginnen und Kollegen Christine Keck, Paul-Anton Krüger und Jonas Schaible zeichnen die Absetzbewegungen in der Partei nach. »Führende Unionsleute im Bund hegen schon länger Zweifel nicht nur an der Wahlkampfstrategie, sondern auch am Kandidaten«, berichten sie. Fast schon neidisch würden die Christdemokraten aus dem Südwesten auf den Özdemir-Schub blicken.

  • Die Analyse der Kolleginnen und Kollegen lesen Sie hier: Alarmstufe Grün bei den Schwarzen 

  • Und ein interaktives Tool, mit dem Sie die möglichen Koalitionen sehen können, finden Sie hier: Diese Koalitionen sind in Baden-Württemberg möglich 

2. Ein Sieg nach dem anderen

Seit Monaten tobt eine Bieterschlacht um Warner Bros. Der Streamingdienst Netflix und der Mitbewerber Paramount Skydance übertrumpften sich mit immer fantastischeren Beträgen für den Medienkonzern, der unter anderem den jüngsten Oscarkandidaten »One Battle after Another« verantwortete. Zuletzt schien Netflix mit einem Gebot von 83 Milliarden Dollar der Gewinner zu sein – zog sich jetzt aber überraschend zurück.

Sind Sie schon eingeschlafen? Ich könnte es verstehen. Ich bin ausgesprochener Fan von Streamingserien, aber die Bieterschlacht der Konzerne langweilt mich.

Mein Kollege Christian Buß erklärt, warum es mich interessieren sollte: »Auf den zweiten Blick offenbart sich mit einem nun fast sicheren Zuschlag für Paramount Skydance eine politisch alarmierende Entwicklung: Ein weiteres Mal könnte sich Donald Trump dabei durchgesetzt haben, die US-Medienlandschaft nach seinen Vorstellungen zu formen«.

Trump könne den Kulturkampf seiner MAGA-Bewegung medial ausweiten. Dass sich etwa die Warner-Tochter CNN unter einer Paramount-Skydance-Führung weiter als kritische Stimme gegen den US-Präsidenten positionieren könne, sei mehr als fraglich.

  • Lesen Sie Christians Analyse hier: Trump gewinnt im Medienkrieg eine Schlacht nach der anderen 

3. Sonnenuntergang bei Katherina Reiche

Neulich habe ich während einer Recherche mit einer Forscherin gesprochen, die sich mit Petrokultur befasst. Also dem Einfluss der Energieträger Öl und Gas auf unsere Gesellschaft. Sie äußerte einen interessanten Gedanken: Wir würden immer noch davon ausgehen, dass auch die erneuerbaren Energien überwiegend so produziert werden müssten wie fossile Energien: Also am besten in gigantischen Offshore-Windparks oder Solarfarmen, wie Ölplattformen möglichst weit weg von uns. Hauptsache, der Strom fließt aus der Leitung. Dabei lägen die Chance und der Charme darin, sich mit vielen kleinen Anlagen autark zu machen.

Von dieser Zukunftsvision hält die Frau, die sie fördern könnte, leider herzlich wenig. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat einen Gesetzentwurf erarbeiten lassen, der Betreibern kleiner Solaranlagen, etwa auf dem Dach des Eigenheims, das Leben erschwert. »Der Entwurf passt zu einer Reihe anderer Gesetzesvorhaben, die die Energiewende in Deutschland bremsen würden. Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass die Bundesregierung die Klimavorgaben beim Heizen deutlich abschwächt«, schreibt mein Kollege Stefan Schultz (hier mehr ).

Die Opposition schäumte heute: »Damit würde die beliebteste Form der erneuerbaren Energien, eine zentrale Säule der Energiewende, bewusst sabotiert«, so Grünenvorsitzender Felix Banaszak. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge nannte das Papier einen »Solarkiller«. Auch der Koalitionspartner war not amused. Der Förderstopp für kleine Dachanlagen bis zu 25 kW sei »inakzeptabel«, so SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer.

Ob sich Reiche mit dem Vorstoß einen Gefallen getan hat? Rund vier Millionen Deutsche haben sich eine Anlage aufs Dach schrauben lassen, viele weitere haben es vor. »Selbst am rechten Rand ist die Technologie beliebt. In einer Umfrage aus dem Oktober gaben 57 Prozent der Befragten aus dem AfD-Lager an, die künftige Regierung solle den Solarausbau ›eher beschleunigen oder auf dem aktuellen Niveau weiterführen‹«, schreibt Stefan in einem aktuellen Kommentar.

  • Lesen Sie hier mehr: Deutschland beerdigt seine Klimaziele – und treibt Verbraucher in eine Kostenfalle 

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Zahl minderjähriger Soldaten bei der Bundeswehr steigt auf Rekordwert: 17-Jährige dürfen zur Bundeswehr, wenn die Erziehungsberechtigten einverstanden sind. Laut einer Anfrage, die dem SPIEGEL vorliegt, wächst ihre Zahl bei der Truppe rasant. Doch viele schmeißen direkt wieder hin.

  • SPD-Kandidat Stoch besucht erst die Tafel, dann bestellt er über seinen Fahrer Entenpastete: Andreas Stoch wollte wohl zeigen, dass er sich auch um die Bedürftigen kümmert: Der Spitzenkandidat der SPD im Südwesten hat die Tafel besucht. Die anschließende Bitte an seinen Fahrer zwingt ihn jetzt zu einer Entschuldigung.

  • Lokführer erhalten fünf Prozent mehr Gehalt: Die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben sich bei ihren Tarifverhandlungen geeinigt. Auch Bahn-Kunden können sich freuen – weil die Streiks dieses Mal ausfallen.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen: Bahnsinn!

Das dürfte teuer werden – ihren Posten als Finanzvorständin der Deutschen Bahn soll Karin Dohm wieder aufgeben. Über ihren Führungsstil kursieren wenig schmeichelhafte Anekdoten.

  • Hier die ganze Geschichte: Nach drei Monaten im Dienst – Bahn-Vorständin Dohm hat Anspruch auf hohe Abfindung 

Was heute weniger wichtig ist

Fake News: Pop-Sängerin Pink, 46, hat sich in einem Instagram-Post über die Boulevardpresse lustig gemacht, nachdem diverse Medien über ihre angebliche Trennung von ihrem Ehemann Carey Hart, 50, berichtet hatten. Sie fragte, ob die angesprochenen Medien nicht vielleicht auch ihre Kinder informieren wollten? Eher amüsiert als aufgebracht schloss sie mit einem klaren Appell: »Trash News – das könnt Ihr besser!«

Mini-Hohl

Aus der »Fuldaer Zeitung«: »Auf drei Großplakaten der FDP in Fulda ist gezielt ein Bewerber geschwärzt worden. Zudem wurden ausgerechnet von ihm mehrere Plakate entwendet.«

Hier finden Sie den ganzen Hohl.

Cartoon des Tages

Und heute Abend?

Könnten Sie Plätzchen backen! Ich weiß: Weihnachten ist lange vorbei. Und ich soll Sie eigentlich auch nicht zur Konkurrenz schicken, wo wir doch jetzt so viele tolle Rezepte von Effilee bei uns im Angebot haben. Aber dieses kulinarische Kleinod möchte ich Ihnen unbedingt ans Herz legen.

Die Karamell-Cookies vom »New York Times«-Cooking-Team mit koreanischer Gochujang-Paste – so was haben Sie garantiert noch nicht gegessen. Die süßliche Chili-Paste ist günstig im Asia-Supermarkt oder im Internet erhältlich. Der scharfe (und absolut erträgliche) Kick kommt mit einer leichten Verzögerung – faszinierend!
Sie brauchen zudem keine tausend weiteren Zutaten, nur ein bisschen Feingefühl beim Timing: Die Kekse backen auch noch nach, wenn Sie sie schon aus dem Ofen geholt haben. Also auf keinen Fall zu lange drin lassen! Außen knusprig, in der Mitte klebrig, so sollen sie sein. Yummy!

  • Zum Originalrezept der »New York Times« geht es hier entlang: Gochujang Caramel Cookies 

  • Sie können den Esslöffel Gochujang-Paste, zusammengerührt mit 15 Gramm Butter und 2 Esslöffeln braunem Zucker, aber auch mit vielen anderen Cookie-Rezepten fusionieren, zum Beispiel diesem hier: Crumble Cookies 

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

CDU-Chef Merz, Spitzenkandidat Hagel: Es ist anders gekommen

Foto:

Jens Kalaene / dpa

Trump bei CNN-Moderator Larry King, 1999: Ein weiteres Mal könnte er sich durchgesetzt haben

Foto: Reuters Photographer / REUTERS

Heizkörper in Betrieb: Verbrauchern drohen Mehrkosten

Foto: Fotostand / Michael Gründel / picture alliance

Bahn-Vorständin Dohm: Die Abfindung orientiert sich an der Restlaufzeit des Vertrags

Foto: Hans-Christian Plambeck / Deutsche Bahn AG
Foto:

Scott Dudelson / FIREAID / Getty Images

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Klaus Stuttmann

Gochujang Caramel Cookies

Foto: Bobbi Lin / The New York Times / Redux / laif

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