Ramelow wirft Zalando »Raubtierkapitalismus« vor

Mit scharfen Worten hat Bodo Ramelow (Linke) die Schließung des Zalando-Logistikzentrums in Erfurt kommentiert: »Mich macht das fassungslos«, sagte der ehemalige thüringische Ministerpräsident der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung, den Standort dichtzumachen, sei eine Missachtung von Arbeitnehmern und Region. »Der Aufstieg von Zalando als Internethändler geht mit dem Logistikzentrum in Erfurt einher.«

Der Dax-Konzern hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass das Logistikzentrum Ende September schließen soll. Grund ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern den Onlinemodehändler About You übernommen. Bereits nach Bekanntwerden der Übernahme Ende 2024 hieß es, die Unternehmen könnten dadurch etwa bei den Kosten für Logistik sparen.

Ramelow, heute Bundestagsvizepräsident, sprach von einer kalten Abwicklung des Standorts mit nicht viel mehr als dem gesetzlich vorgeschriebenen Sozialplan. Er sprach von »Raubtierkapitalismus«. Der Versandhändler hatte sich nach seiner Gründung als Start-up bei Erfurt seinen ersten großen Logistikstandort aufgebaut, der nach Unternehmensangaben heute rund 2700 Arbeitnehmer beschäftigt.

Zalando habe alle zur Verfügung stehenden Fördermöglichkeiten erhalten – »direkte und indirekte«, sagte Ramelow. Nach seinen Angaben wurden sogar Busverbindungen in verschiedene Thüringer Regionen organisiert, um Arbeitskräfte nach Erfurt zu bringen. Das Logistikzentrum habe eine internationale Belegschaft. Nach Angaben von Ramelow werden Arbeitnehmer aus Osteuropa, aber auch viele Migranten beschäftigt, die nach 2015 nach Deutschland kamen.

Gerade sei versucht worden, dem Logistikzentrum eine Tarifbindung zu geben. Ramelow, der vor seiner Politikkarriere Gewerkschaftsfunktionär war, kündigte Unterstützung für die Arbeitnehmer an, die ihre Arbeit verlieren sollen. »Ich werde mich an die Seite des Betriebsrats stellen.«

Auch Carsten Schneider kritisiert Zalando

Kritik kam auch von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der aus Erfurt stammt. Zalando sei mit dem Standort Erfurt gewachsen und erfolgreich geworden. »Sich heute so dreist und unverfroren gegen diesen Standort zu stellen und 2700 Familien ins wirtschaftliche und soziale Unglück zu stürzen, zeugt von einem skandalösen Verhalten«, sagte Schneider. »Das hat weder etwas mit unternehmerischer Verantwortung noch mit betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit zu tun. Zalando steht damit exemplarisch für einen eiskalten Kapitalismus, der Gewinne privatisiert und soziale Fragen ausblendet.«

Warum Zalando seinen Konkurrenten About You gekauft hat, lesen Sie hier .

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