Die deutsche Industrie hat im November den dritten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. Die Bestellungen wuchsen um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist der dritte Zuwachs in Folge und das größte Plus seit Dezember 2024.
»Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt«, sagte der Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Es handele sich um »ein echtes Zeichen für eine mögliche Trendwende der Konjunktur«.
Zwar könnten laut Niklasch die Militärausgaben einen wesentlichen Impuls gegeben haben, was für sich genommen kein dauerhaft höheres Wachstumspotenzial generieren würde. Das sei aber erst einmal nachrangig. »Wichtiger ist in der aktuellen Lage, dass es überhaupt einmal ein Lebenszeichen von der Industrie gibt.«
Die positive Entwicklung im November ging vor allem auf die deutlichen Anstiege bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (+25,3 Prozent) und im sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge: +12,3 Prozent) zurück. »In diesen Bereichen wurde ein hohes Volumen an Großaufträgen verzeichnet«, betonten die Statistiker. Ohne Großaufträge hätte das Plus nur 0,7 Prozent betragen.
Moderate Zuwächse gab es zudem in mehreren weiteren Bereichen, etwa den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen, im Maschinenbau und bei den Produzenten von Datenverarbeitungsgeräten.
Während die Nachfrage aus dem Inland im November um 6,5 Prozent zum Vormonat zulegte, wuchs die aus dem Ausland um 4,9 Prozent. Dabei nahm die Nachfrage aus der Eurozone um 8,2 Prozent zu, die aus dem Rest der Welt um 2,9 Prozent. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang von September bis November um 4,0 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor.
Ob es in dem Tempo weitergeht, ist ungewiss. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe hatte sich vor dem Jahreswechsel weiter eingetrübt. Weiter nach vorne gerichtete Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima seien zuletzt sogar gefallen, betonte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. »Alles in allem zeichnet sich die von vielen für 2026 erhoffte konjunkturelle Erholung in den Frühindikatoren noch nicht ab.«
»Ein richtiger Klopper am Morgen«
Zwar sei der Auftragszuwachs »ein richtiger Klopper am Morgen«, befand Alexander Krüger, Chefökonom der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Er sei allerdings auf Großaufträge zurückzuführen, die im nächsten Monat fehlen würden. »Alles in allem bleibt die Lage in der Industrie damit zunächst noch angespannt.«
Die deutsche Rüstungsindustrie werde auch in den kommenden Monaten zu den wichtigsten Treibern des Industriewachstums gehören, prognostizierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. »Entscheidend für den Auftragseingang wird aber auch sein, wie schnell die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen in konkreten Projekten münden. In der Summe dürfte sich die Auftragssituation im Jahr 2026 sukzessive bessern.«