Reiseforscher fordert Umdenken bei Urlaubsflügen

Die Debatte über Kerosinmangel  nimmt nach Ansicht des Tourismusforschers Markus Pillmayer auch Verbraucher in die Pflicht. Er fordert ein Umdenken bei Reisen. Flugreisen seien keine Selbstverständlichkeit, sagte der Experte für nachhaltigen Tourismus der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Mehrere Flüge pro Jahr müssten nicht sein.

Mit ihrem aktuellen Verhalten verknappe die Gesellschaft ein derzeit knappes Gut unter Umständen noch weiter. Erwartungen an komfortables Reisen müssten im Falle eines Mangels zurückstehen, damit ausreichend Kerosin für die kritische Infrastruktur  da sei, forderte der Experte. Dazu gehörten etwa Löschflugzeuge.

Selbst wenn in Deutschland genug Flugbenzin vorhanden sei, müsse das in anderen Ländern nicht der Fall sein. Unter Umständen könnten Urlauber in der Folge in anderen Ländern stranden, warnte der Forscher.

Pillmayer sagte, es brauche ein neues Bewusstsein dafür, dass Flugreisen etwas Besonderes seien. Eine vermeintlich »gute alte Zeit«, in der jeder ständig fliegen könne und auch der Sprit an der Tankstelle dauerhaft deutlich unter zwei Euro liege, werde nicht mehr wiederkommen, prophezeite er. »Was muss denn noch passieren, dass endlich mal ein Umdenken oder ein Umsteuern stattfindet?«

Die Menschen müssten ihr Reiseverhalten anpassen, auch unabhängig von der aktuellen Diskussion über Kerosinmangel. Es gehe nicht darum, dass niemand mehr reisen dürfe, so Pillmayer. Reisen müsse aber bewusst und reflektiert geschehen.

Pillmayer verwies darauf, dass viele Deutsche während der Pandemie das eigene Land als Reiseziel wiederentdeckt hätten. Das sei inzwischen wieder in den Hintergrund getreten.

Schon im Mai könnte Kerosin knapp werden

Wenige Wochen vor den beliebten Reisewochenenden um Christi Himmelfahrt, Pfingsten und dem Sommer gibt es Sorge vor einem Kerosinmangel. Von Ende Mai an könnten Flüge in Europa ausfallen, weil Kerosin knapp werde, warnte der internationale Branchenverband IATA kürzlich. Auch die Internationale Energieagentur sieht dieses Risiko, falls Lieferungen aus Nahost weiterhin ausbleiben sollten.

Hintergrund der Diskussion sind die Auswirkungen des Irankriegs und die Blockade der Straße von Hormus, wodurch ein großer Teil der Kerosinlieferungen aus dem Nahen Osten ausbleibt. Laut Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bestehen bisher keine Versorgungsengpässe.

Politik soll Fokus auf Bahn legen

Reiseexperte Pillmayer forderte die Politik auf, sich »endlich klar und mit Nachdruck« zur Bahn zu bekennen. Gerade im ländlichen Raum seien Strecken in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten politisch gewollt zurückgebaut worden. Infrastruktur, Personal und Kapazitäten der Bahn seien nicht ausreichend. Es könne bei Reisen aber nur dann einen echten Wandel geben, wenn Alternativen alltagstauglich und attraktiver würden.

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