Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat in der vergangenen Woche erstmals in der Geschichte der Internationalen Raumstation ISS eine vierköpfige Astronautenbesatzung wegen medizinischer Probleme vorzeitig zur Erde zurückgeholt. Die US-Astronauten Zena Cardman und Michael Fincke, der japanische Raumfahrer Kimiya Yui und der russische Kosmonaut Oleg Platonow landeten sicher im US-Bundesstaat Kalifornien. Über den genauen medizinischen Notfall bewahrt die Nasa weiterhin Stillschweigen, hat nun aber Details zum Einsatz auf der ISS verraten.
Ein tragbares Ultraschallgerät sei während der medizinischen Krise auf der ISS »superpraktisch« gewesen, sagten die Astronauten bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt seit der Landung. Sie weigerten sich jedoch, zu sagen, wer von ihnen medizinische Hilfe benötigte. Die Nasa behält Details zu gesundheitlichen Problemen von Raumfahrern üblicherweise für sich, um die Privatsphäre der betreffenden Person zu schützen.
Astronaut Fincke sagte, die Besatzung habe das Ultraschallgerät an Bord eingesetzt, als am 7. Januar, einen Tag vor einem geplanten Weltraumspaziergang, das medizinische Problem aufgetreten sei. Die Astronauten hätten das Gerät zuvor häufig für Routineuntersuchungen ihrer körperlichen Veränderungen während des Lebens in der Schwerelosigkeit verwendet. Und: »Als wir diesen Notfall hatten, war das Ultraschallgerät sehr nützlich«.
Fincke plädierte dafür, dass künftig auf allen Raumflügen ein tragbares Ultraschallgerät dabei sein sollte. »Wir versuchen, sicherzustellen, dass vor dem Flug wirklich niemand für Überraschungen anfällig ist. Aber manchmal passieren Dinge und es gibt Überraschungen, und das Team war bereit«, sagte Fincke.
Die Raumstation sei so gut wie möglich für medizinische Notfälle ausgerüstet, sagte Astronautin Zena Cardman. Die Nasa habe »alle richtigen Entscheidungen getroffen«, als sie den Weltraumspaziergang, der ihr erster gewesen wäre, absagte und das Wohlergehen der Besatzung in den Vordergrund stellte.
Der japanische Astronaut Kimiya Yui sagte, er sei überrascht gewesen, wie gut sich das vorherige Training bei der Bewältigung der gesundheitlichen Probleme ausgezahlt habe. »Wir können mit jeder Art von schwieriger Situation umgehen«, sagte Yui. »Das ist tatsächlich eine sehr, sehr gute Erfahrung für die Zukunft der bemannten Raumfahrt.«
Die Crew war im August 2025 in Florida gestartet und verließ die ISS rund einen Monat früher als geplant. In Houston wurde sie von ihren Nachfolgern begrüßt, deren Start erst für Mitte Februar geplant ist. Die Nasa und SpaceX arbeiten daran, den Flug vorzuverlegen. »Wir hatten gehofft, sie im Weltraum umarmen zu können, aber wir haben sie auf der Erde umarmt«, sagte Fincke.
Erstmals hat die Nasa eine Crew vorzeitig von der ISS zurückgeholt, weil ein Raumfahrer erkrankt ist. Bald sollen Astronauten noch viel weiter ins All fliegen, zum Mond und zum Mars. Übernehmen Roboter dann die Not-OP? Mehr dazu lesen Sie hier.
Die Astronauten in der SpaceX-Kapsel nach der Landung auf der Erde
Foto: NASA / Bill Ingalls / REUTERS