Bundeswehr-Weltraumsystem »Spock« wird teurer

Die Bundeswehr schafft eine Konstellation von Radarsatelliten an , mit der die neue Panzerbrigade 45 in Litauen Bewegungen und Aufmärsche russischer Streitkräfte frühzeitig erkennen können soll. Doch das Projekt wird teurer als geplant, um bis zu 579,5 Millionen Euro, zeigt ein vertrauliches Dokument des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages, das dem SPIEGEL vorliegt.

Radarsatelliten können auch bei Dunkelheit und Wolken Bilder machen. Die neue Konstellation soll den Namen »Spock« tragen, eine Abkürzung für »Spacesystem for persistent operational tracking, und ständig einsatzrelevante Entwicklungen verfolgen. Ab Anfang Oktober dieses Jahres soll sie Aufnahmen liefern, möglicherweise sogar schon früher. Neben den Fotos sollen mithilfe künstlicher Intelligenz auch Informationen zur Art der erkannten Objekte erfasst werden.

Der Auftrag für »Spock« ging per Direktvergabe an das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall Iceye Space Solutions (Riss). Der ursprünglich geplante Preis waren 1,76 Milliarden Euro mit der Option, das Gesamtvolumen bis zum Jahr 2033 bei Bedarf auf 2,7 Milliarden Euro zu erhöhen.

Kein Aufschub möglich

Nun wird das »Spock«-System bereits vor dem Start teurer. Die »konkreten Bedarfe« zur Finanzierung des Betreibervertrags seien erst »im Zuge der finalen Angebotslegung im Vergabeverfahren zum Jahresende 2025« bekannt geworden, heißt es zur Preiserhöhung in dem Dokument aus dem Finanzministerium. Deswegen hätten sie bei der Aufstellung des Haushalts 2026 noch nicht berücksichtigt werden können.

Die Ausgabe könne auch nicht bis zum nächsten Haushaltsgesetz warten, so das Finanzministerium. Die neue Panzerbrigade 45 werde ihre Arbeit in Litauen zum 1. Oktober dieses Jahres aufnehmen. Ein späterer Betriebsstart von »Spock« würde »die Sicherheit der Einheiten vor Ort gefährden«.

Lesen Sie hier , warum die Bundeswehr bisher viel zu wenige Freiwillige für die Litauen-Brigade gewinnen konnte.

Fertigung in früherem Werk für Autoteile

Am Gemeinschaftsunternehmen Riss hält der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall einen Anteil von 60 Prozent, die restlichen 40 Prozent hält das finnische Unternehmen Iceye, von dem die Technologie für die Satelliten kommt. Schon vom kommenden Jahr an will die Firma Satelliten in Neuss fertigen, in einer Rheinmetall-Fabrik, in der bisher Autoteile produziert wurden.

Für die künstliche Intelligenz des Satellitensystems soll das polnische Unternehmen Satim zuliefern. Rheinmetall will das Bundeswehr-System aber unabhängig in Deutschland betreiben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes waren die Mehrkosten des Projekts falsch angegeben. Sie liegen nicht bei 579.531 Euro, sondern bei bis zu 579,5 Millionen Euro. Wir haben die Stelle korrigiert.

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