Von künstlicher Intelligenz (KI) generierte Bilder und Videos wirken mittlerweile oft täuschend echt: Die meisten Menschen können nur zu 50 Prozent erkennen, ob ein Gesicht mit KI generiert wurde – das heißt, sie können nur raten. Sogenannten Super-Recognizern hingegen gelang es laut einer im »British Journal of Psychology« veröffentlichten Studie immerhin zu 57 Prozent. Als Super-Recognizer werden Menschen mit einer besonderen Begabung bezeichnet, die sich ein Gesicht nach kurzer Zeit einprägen können.
Psychologen der Universität von New South Wales in Sydney und der Australischen Nationaluniversität haben dazu 125 Menschen, darunter 36 Super-Recognizer, einen entsprechenden Onlinetest absolvieren lassen. Darin bekamen die Teilnehmer Bilder von Gesichtern gezeigt und wurden gefragt, ob diese echt oder KI-generiert sind.
Besonders deutlich war das Ergebnis, wenn die Urteile von mehreren Teilnehmern zusammengenommen wurden. In der Kontrollgruppe blieb die Erkennungswahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, auch wenn acht verschiedene Menschen ein Bild einschätzten. Die Forschenden sahen dadurch bestätigt, dass bloß der Zufall entschied. Es gebe in dieser Hinsicht keinen Effekt einer »Weisheit der Massen«. Mehrere Super-Recognizer zu befragen, wirkte dagegen nützlich: Acht von ihnen konnten im Durchschnitt zu 35 Prozent besser als normale Menschen ein KI-generiertes Bild identifizieren. Die Gesichtsexperten waren sich ihres Urteils auch deutlich sicherer als die Kontrollgruppe.
Auffällig durchschnittlich
Eine Erklärung lieferte das Muster, dass KI-erzeugte Bilder oft besonders durchschnittliche Gesichtszüge zeigen. Genau auf dieses Merkmal achteten die Super-Recognizer. Das heißt, ihnen fielen Gesichter als unnatürlich auf, denen außergewöhnliche Attribute fehlen. Die Menschen aus der Kontrollgruppe vermuteten KI eher hinter besonders jung wirkenden Gesichtern. Tatsächlich waren KI-generierte Bilder jedoch nicht jugendlicher als echte.
Super-Recognizer werden aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten häufig in der Kriminalistik eingesetzt – auch in Deutschland ist das seit einigen Jahren der Fall. Das Berliner Landeskriminalamt beschäftigt etwa seit dem vergangenen Jahr ein solches Team. Oft geht es demnach darum, Videoaufnahmen von Straftaten auszuwerten und Menschen zu identifizieren.