Weltpremiere im luftleeren Raum – Forscher schicken Antimaterie auf Reisen

Liebe Leserin, lieber Leser,

lesen Sie gern die Wissenschaftsthriller von Dan Brown? Oder haben Sie einen der Filme gesehen, die auf seinen Bestsellern beruhen?

In »Illuminati« beschreibt Brown – wie immer – einen Kampf gegen die Zeit. Sein Romanheld Robert Langdon muss den Einsatz einer neuartigen Bombe verhindern. Ihre Zerstörungskraft beruht auf Antimaterie. Und die Schurken sind kurz davor, damit den Vatikan in Schutt und Asche zu legen.

Die mysteriöse Substanz, die der Waffe ihre Zerstörungskraft verleiht, stammt in Browns Plot aus dem Kernforschungszentrum Cern beim schweizerischen Genf.

Mein Kollege Christoph Seidler war dabei, als Forschende dort vergangene Woche erstmals 92 Teilchen Antimaterie auf einen Lastwagen luden und ein paar Kilometer weit auf die Straße schickten. Sie wollten beweisen, dass man den Stoff grundsätzlich transportieren kann.

Denn das ist gar nicht so einfach. Die Teilchen gingen in einem Metallbehälter auf die Reise, groß wie ein Kleiderschrank. In seinem Inneren herrschen ein Vakuum und minus 268 Grad Celsius. Magnetische und elektrische Felder sorgen dafür, dass die wertvolle Fracht ja nicht die Wände des Transportbehälters berührt. Das würde die Teilchen zerstören.

Und was soll das alles?

Die 92 Teilchen in dem Behälter auf dem Lkw sind so besonders, weil sie das Gegenteil von allem sind, was das Leben eigentlich ausmacht.

Alles auf der Welt ist aus winzigen Elementarteilchen zusammengesetzt: Protonen, Neutronen, Elektronen. Antimaterie besteht aus deren Spiegelbildern, also Antiprotonen, Antineutronen, Positronen. Treffen Teilchen und Antiteilchen aufeinander, löschen sie einander aus, nur Strahlung oder andere Zerfallsprodukte bleiben zurück. Auf diesem Effekt beruht auch die Zerstörungskraft von Dan Browns erfundener Superbombe.

Im Universum existiert rund eine Mil­liarde Mal mehr Materie als Antimaterie. Aus ihr sind Galaxien, Sterne, Planeten, Menschen und Tiere gemacht. Aber warum ist das so?

Mit dem Transport der rätselhaften Teilchen tastet sich die Wissenschaft nun an dieses Rätsel heran. Am Cern können Antiteilchen hergestellt werden. Doch dort stören die mächtigen Elektromagnete der Teilchen­beschleuniger, die dafür nötig sind, jene hochpräzisen Messungen, die Forschende an ihnen vornehmen wollen. Daher sollen die Antiprotonen bald auf Reisen gehen, um in anderen Laboren, etwa in Düsseldorf, Hannover und Heidelberg, analysiert werden zu können.

Weil Christoph das alles viel besser erklären kann als ich, sollten Sie seinen Text hier  nachlesen.

Herzlich,


Ihre Julia Koch

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Bild der Woche

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Verladung von Antimaterie am Cern bei Genf: Vakuum und minus 268 Grad Celsius

Foto: CERN

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Foto: David Parry / picture alliance

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