»The Comeback« ist eine der schlausten Fernsehserien über das Serienfernsehgeschäft. Derzeit werden beim Streamingdienst HBO Max die Folgen der dritten Staffel gezeigt. Es ist schon das zweite Comeback von »The Comeback« – die vorige Staffel wurde 2014 ausgestrahlt, die erste sogar schon 2005. Darüber hinaus ist besonders an der Serie, dass sie von zwei Stars der TV-Serien-Szene erdacht worden ist: Michael Patrick King, 71, Autor und Regisseur von »Sex and the City«, und Lisa Kudrow, 62, einst Ensemblemitglied von »Friends«.
Kudrow spielt auch die Hauptrolle der Valerie Cherish, einer in Vergessenheit geratenen Sitcom-Schauspielerin. Dass sie für die Rolle Inspiration aus ihrer Zeit als Phoebe Buffay in der Erfolgsserie »Friends« zieht, kann nicht verwundern. Nach dem Tod ihres Schauspielkollegen Matthew Perry schaute sie sich »Friends« nach langer Zeit wieder an und schaffte es, anders als früher, sich über die komödiantischen Dialoge zu amüsieren und die schauspielerische Leistung ihrer Kolleginnen und Kollegen zu bewundern.
In einem Interview mit der Londoner Zeitung »The Times« wurde Kudrow befragt nach der anhaltenden Begeisterung, die »Friends« heutzutage sogar bei der Gen Z auslöst. Die Schauspielerin spekulierte, die Serie habe »eine Art Unschuld eingefangen, die eine jüngere Generation nie erlebt hat«.
Hinter den Kulissen sei es allerdings ganz und gar nicht unschuldig zugegangen, so Kudrow. »Oh nein, da ist definitiv gemeines Zeug vorgefallen«, sagte sie und bezog sich dabei vor allem auf den »Writers’ Room« im Warner-Brothers-Studiokomplex im kalifornischen Burbank. Zwischen 12 und 15 Angestellte hätten da beisammengesessen, »vor allem Männer«. Wenn die Stars im Studio, wo »Friends« vor einem Livepublikum aufgezeichnet wurde, die Zeilen der Drehbuchautoren verpatzt hätten, seien Sprüche gekommen wie »Kann die blöde Kuh nicht lesen? Sie gibt sich nicht mal Mühe. Sie hat meinen Gag versaut.«
Zudem habe man gewusst, »dass die Typen hinten im Raum bis drei Uhr nachts zusammensaßen und ihre sexuellen Fantasien über Jennifer (Aniston) und Courteney (Cox) besprachen«, so Kudrow. In »The Comeback« gibt es mehrfach Szenen, in denen die Autoren sich erniedrigende Sexszenen für Kudrows Figur Valerie ausdenken.
Zu »Friends«-Zeiten sei ihre Einstellung dazu gewesen: »Sagt, was ihr wollt hinter meinem Rücken, denn dann ist es mir egal«, so Kudrow in der »Times«. Doch in einem Interview für ein Porträt im Magazin »The New Yorker« räumte sie ein, andere Menschen hätten dabei im Raum sein müssen – »und das ist ein Problem«.
Damit spielt die Schauspielerin auf den Fall von Amaani Lyle an, die 1999 als 27-Jährige einen Job als Assistentin im Writers’ Room annahm. Ihre Aufgabe war es, zu protokollieren, was die Autoren beim Brainstormen so alles sagten. Ihrer späteren Zeugenaussage zufolge hätten viele von Analsex, Oralsex, »Ficken«, »Muschis« und »Schwänzen« gesprochen, welche Brustgröße sie bei Frauen bevorzugten, und sich Vergewaltigungsszenen ausgemalt.
Nachdem sie entlassen wurde, strengte Lyle einen Prozess wegen sexueller Belästigung an. Die Autoren stritten ihr generelles Verhalten in dem Verfahren gar nicht ab, sie brachten aber das Argument vor, es sei eine »kreative Notwendigkeit« und vom Redefreiheitszusatz der US-Verfassung geschützt. 2006 entschied das oberste kalifornische Gericht im Sinne der Drehbuchschreiber.
Dass »The Comeback« direkt auf diesem Fall beruhe, wiesen Kudrow und ihr Kollege King allerdings im »New Yorker« zurück. Diese Art von grobem Gewitzel sei in Autorenräumen so verbreitet gewesen, dass jeder im Team eigene Horrorgeschichten zu erzählen gehabt habe. »Wir haben uns gegenseitig ermutigt, die dunkle Seite etwas zu erkunden«, sagte Kudrow der »Times« über die Grundidee zu der Serie.
Szene aus »The Comeback«: »Dunkle Seite erkunden«
Foto: HBO / Sky»Friends«-Schauspielerinnen Cox, Aniston und Kudrow: »Kann die blöde Kuh nicht lesen?«
Foto: Sammlung Richter / picture allianceTV-Star Kudrow: »Das ist ein Problem«
Foto: Chris Pizzello / Invision / AP