1. Schneller, billiger, weiter
In Peking öffnet am Wochenende die Motorshow ihre Tore. Wer sich auf der Messe umschaut, kann kaum glauben, was derzeit in Europa passiert. Hierzulande drängen Teile der Politik und manche Hersteller darauf, Verbrennerautos möglichst noch länger bauen zu dürfen, während der Irankrieg es nur noch dringlicher erscheinen lässt, die Technologie zügig zu begraben.
In China hat man das längst begriffen. Auf der Automesse in Peking lässt sich eine unvergleichliche elektrische Beschleunigung bestaunen (hier mehr). Am Dienstag zeigte der Batteriehersteller CATL einen Autoakku, der im besten Fall für 1500 Kilometer Strecke reicht. Neue Technologien ermöglichen immer kürzere Ladezeiten von inzwischen unter sieben Minuten, neue chemische Rezepturen immer günstigere und leichtere Akkus.
»Die Industrie entwickelt sich weiter in Richtung Nachhaltigkeit. Die Chinesen haben schon die einfachen Lithium-Eisenphosphatbatterien (ohne Nickel, Kobalt und Mangan) zum Welterfolg geführt. Jetzt sehen sie sich bereit, die Serienproduktion von Natrium-Ionen-Akkus (ohne Lithium) im großen Stil zu beginnen«, schreibt mein Kollege Arvid Haitsch (hier mehr dazu).
In Peking seien – auf einer Automesse in Europa undenkbar – die Batterien die Stars. Arvids Einschätzung zum Technologievorsprung Chinas lesen Sie hier.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Hier ist die Batterie der Star
2. Steter Tropfen
Apropos Verbrennungsmotor: Die Bundesregierung hat heute den sogenannten Tankrabatt verabschiedet. Ab dem 1. Mai bis Ende Juni soll die Steuer auf Benzin und Diesel um 17 Cent gesenkt werden, um Autofahrer zu entlasten (lesen Sie hier mehr). Den Staat kostet die Maßnahme rund 1,6 Milliarden Euro.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ein Teil von mir wird sich freuen, wenn Tanken etwas weniger schmerzt als in den vergangenen Wochen. Und viele Betriebe, die auf Kraftfahrzeuge angewiesen sind, wird die Maßnahme womöglich vor dem Untergang bewahren. Auf der anderen Seite waren Elektroautos noch nie so nachgefragt wie in den vergangenen Wochen, der Wandel hin zu nachhaltigerer Mobilität bekam einen enormen Schub. Jetzt wird er womöglich wieder etwas abgebremst.
Was mich aber vor allem ärgern würde: Wenn sich die Mineralölkonzerne einen Teil der Steuermilliarden in die Tasche stecken, wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Rabatten. Zwar haben die Konzerne gelobt, die volle Ersparnis an die Kunden weitergeben zu wollen, aber sich gleichzeitig ein Hintertürchen offengelassen: Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie wies darauf hin, dass diese Senkung auch durch Preisentwicklungen überlagert werden könne.
Lesen Sie hier mehr: Bundestag stimmt Tankrabatt zu
3. Feind liest mit
Kennen Sie den Messengerdienst Signal? Lange galt der als sichere Alternative zu WhatsApp vom bösen Meta-Marc Zuckerberg. Doch dieses Image ist seit dieser Woche angekratzt: Am Mittwoch hatte der SPIEGEL enthüllt, dass das Signal-Konto von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) von Angreifern geknackt worden war (hier mehr dazu ).
Wie heute bekannt wurde, ermittelt der Generalbundesanwalt in Karlsruhe in der Sache (hier mehr ). Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde auf SPIEGEL-Anfrage. Demnach laufen die Ermittlungen bereits seit Mitte Februar. Niederländische Geheimdienste machen »russische staatliche Akteure« für die groß angelegte und seit Monaten andauernde Angriffswelle verantwortlich. Dass der Generalbundesanwalt sich eingeschaltet hat, deutet ebenfalls darauf hin: Er ermittelt nur, wenn von einem staatlichen Akteur ausgegangen wird.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte bereits in einem Schreiben eindringlich vor der Bedrohungslage gewarnt. Die »koordinierte, internationale Angriffswelle«, die sich vor allem gegen »hochrangige Entscheidungsträger aus Politik, Militär und Verwaltung« richte, dauere an und sei hochgefährlich: »Es ist davon auszugehen, dass so zahlreiche Signal-Gruppen im parlamentarischen Raum derzeit von den Angreifern nahezu unbemerkt ausgelesen werden«, hieß es in dem Schreiben.
Nach SPIEGEL-Informationen gibt es in praktisch allen Fraktionen des Bundestags betroffene Abgeordnete.
Die jüngsten Entwicklungen bei den Ermittlungen zur Phishingattacke lesen Sie hier: Signal-Angriff – Generalbundesanwalt ermittelt wegen Spionageverdachts
Was heute sonst noch wichtig ist
Söder stützt mögliche Kandidatur Aigners als Staatsoberhaupt: Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner wird als mögliche Kandidatin für das höchste politische Amt der Bundesrepublik gehandelt. Ihr Parteichef Markus Söder würde die CSU-Frau unterstützen.
Vermisste deutsche Journalistin ist in Damaskus inhaftiert: Über Wochen wurde sie in Syrien vermisst, nun steht fest: Die Kölner Journalistin Eva Michelmann sitzt in Damaskus im Gefängnis. Laut Außenministerium war bereits eine Konsularbeamtin vor Ort.
Fluglotsenfehler löst tödliche Kollision in LaGuardia aus: Beim Unfall am Flughafen LaGuardia rammte ein Flugzeug der Air Canada ein Feuerwehrfahrzeug auf der Landebahn – zwei Piloten starben. Nun legt die Verkehrssicherheitsbehörde dar, warum niemand rechtzeitig eingreifen konnte.
Überreste von 19 Meter langem Kraken entdeckt: In Legenden verschlingen riesige Meeresungeheuer ganze Schiffe samt Besatzung. Neue Funde zeigen: Solche Wesen gab es vor Urzeiten tatsächlich. Womöglich waren sie sogar intelligent.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
»Sämtlich unwahr« – vor Gericht verliert »Nius« gegen Kantinenbetreiberin: Das rechte Portal von Ex-»Bild«-Chefredakteur Julian Reichelt hat über ein vermeintliches »Fastenbrechen für Bürgergeldempfänger« berichtet. Nun stellt das Kölner Landgericht fest: An dem Artikel stimmt so gut wie nichts .
Was heute weniger wichtig ist
Billies Idol: Sängerin Billie Eilish, 24, ist offenbar größter Fan ihres Kollegen Justin Bieber. Beim Coachella-Festival hatte der Popstar Eilish zu seinem Hit »One Less Lonely Girl« auf die Bühne geholt.
Auf Instagram postete Eilish daraufhin eine Reihe alter Fotos und Videos. Sie als Teenie vor der Bieber-Posterwand, mit Bieber-T-Shirt, wie sie zu Bieber tanzt, dazwischen ein Screenshot einer Notiz. 2014 hatte sie diese offenbar zu Biebers 20. Geburtstag verfasst. »Heute vor 20 Jahren wurde der beste Sänger und die beste Person der Welt geboren. Ich weiß nicht, wie jemand so Perfektes wie du am Leben sein kann«, schrieb die damals Zwölfjährige. »Es gibt keine Worte dafür, wie sehr ich dich liebe. Wenn du nur wüsstest, dass ich existiere.«
Mini-Hohl
Aus dem »Südkurier« über die Oberbürgermeisterwahl in Freiburg und den bisherigen Amtsinhaber Martin Horn: »Bislang gibt es, einschließlich Horn, zehn Kandidaten – eine Frau und acht Männer.«
Hier finden Sie den ganzen Hohl.
Cartoon des Tages
Und heute Abend?
Könnten Sie kochen, und zwar einen Klassiker der italienischen Küche: die Bolognese. Meine Kollegin Nicola Goethe von Effilee ist für die perfekte Pastasoße nach Bologna gereist, um sich von einer Restaurantbesitzerin deren Kochgeheimnisse verraten zu lassen.
Bei dem Gericht kann man nichts verkehrt machen, denken vermutlich viele Menschen, mich eingeschlossen. Ein Irrtum, hat Nicola erfahren. Die Leute greifen nicht zur richtigen Nudelsorte, kippen das falsche Öl in die Soße und verderben den Geschmack durch bestimmte Gewürze.
Wie viel man aber mit einfachen Mitteln besser machen kann, damit das Ragù alla bolognese gelingt, lesen Sie hier .
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort
Anmerkung der Redaktion: Die SPIEGEL-Enthüllungen waren am Mittwoch bekannt geworden, nicht am Dienstag. Wir haben den Fehler korrigiert.
Radfahrerinnen vor Plakat am Messegelände in Peking
Foto: Wang Zhao / AFPTankstelle in Frankfurt (Oder)
Foto: Patrick Pleul / dpaAuch das Signal-Konto von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) wurde von den Angreifern erfolgreich kompromittiert
Foto:Mike Schmidt / SZ Photo / picture alliance
Journalist Reichelt, 2023
Foto: Alexander Hassenstein / Getty ImagesSängerin Billie Eilish
Foto: Angela Weiss / AFPEntdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Anna Janecka / Moment / Getty Images