Diese zwei Wörter sollten Sie hellhörig machen

Woran denken Sie, wenn Sie »Primärenergie« hören? Klingt nach einem technischen Fachbegriff, geradezu wissenschaftlich, nicht wahr? Ein Begriff, der irgendwie auszudrücken scheint, wie viel Energie man in eine bestimmte Aufgabe hineinstecken muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

»Primärenergie« ist heute aber ein propagandistisch missbrauchter Kampfbegriff. Klingt übertrieben? Ist es aber nicht.

»Primärenergie«, das ist die ganze Energie, die in irgendetwas hineingesteckt wird, so weit ist die intuitive Deutung des Begriffs korrekt. Nehmen wir ein Auto mit Dieselmotor: Die »Primärenergie«, die in dieses Auto hineinfließt, um es zu bewegen, steckt im Diesel. Ein Liter Diesel hat dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zufolge ungefähr 37.400 Kilojoule Brennwert  – eine Größe, mit der hierzulande kaum jemand etwas anfangen kann.

Schafft Ihr Diesel 100 Kilometer mit zwei Litern?

Einfacher zu verstehen und ins Verhältnis zu setzen ist es so: Ein Liter Diesel entspricht vom Brennwert her etwa zehn Kilowattstunden. Zum Vergleich: Ein modernes, nicht allzu kleines Elektroauto kommt mit 20 Kilowattstunden Strom, abhängig von Temperatur und Fahrweise, auf der Autobahn etwa 100 Kilometer weit.

Ein vergleichbar großes und schweres Auto schafft mit der gleichen Menge »Primärenergie« in Form von Diesel nicht die gleiche Strecke. Oder kennen Sie ein Diesel-SUV, das nur zwei Liter auf 100 Kilometer verbraucht?

Woran liegt das? An der miserablen Energieausbeute von Verbrennungsmotoren. Alles in allem verpuffen vier Fünftel der eingesetzten »Primärenergie«, vor allem als Wärme. Deshalb kann man, wenn man das möchte, im Motorraum eines Verbrenners während der Fahrt in Alufolie Essen garen.

Wenn man also einen Dieselmotor durch einen Elektromotor ersetzt, muss man nicht die Energiemenge des eingesetzten Diesels ersetzen, sondern viel weniger. Verbrennungsprozesse sind Energieverschwendung, und zwar immer. Elektromotoren sind drei- bis viermal so effizient  wie Verbrenner.

So viel davon könnten wir uns sparen

Wenn in Energiedebatten also darauf hingewiesen wird, dass ja nur ein vermeintlich geringer Prozentsatz unseres »Primärenergieverbrauchs« derzeit mit erneuerbaren Energien abgedeckt werde, dann ist das im Zweifel bewusste Irreführung. Wir müssen ja nur die 20 Prozent ersetzen, die das Auto bewegen, nicht die 100 Prozent, die in den Tank fließen. Trotzdem hört man von Leuten, die Elektrifizierung und Erneuerbaren skeptisch gegenüberstehen, ständig das Wort »Primärenergie«.

Es ist symptomatisch, dass die fossilen Brennstoffen sehr zugeneigte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in einem Gastbeitrag für die »FAZ«  kürzlich erklärte, »der Anteil Erneuerbarer am Gesamtenergieverbrauch lag 2025 aber gerade einmal bei knapp einem Fünftel«. Sie bezog sich auf eine Zahl für den deutschen Primärenergiebedarf, die Verbände nennen , 2900 Terawattstunden für 2025. Reiche selbst vermied den Begriff »Primärenergie«. Sie sprach von »Gesamtenergiebedarf«, meinte aber das Gleiche.

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