Bis zu 19 Meter lang, scharfe Kiefer – und möglicherweise intelligent: Zur Zeit der Dinosaurier, so hat eine neue Studie ergeben, existierte ein Lebewesen, das dem in vielen Legenden beschriebenen Riesenkraken sehr nahekam. Es handelt sich um einen gewaltigen Oktopus, der als Spitzenräuber die Meere durchstreifte.
Übrig geblieben von ihm sind nur Fossilien seines Kiefers, der aussieht wie der Schnabel eines Papageis und im Gegensatz zum Rest des Körpers hart war – weshalb er die Jahrmillionen überdauerte.
Größter Wirbelloser der Erde
Die Analyse der Überreste ergab, dass der Riesenoktopus vor etwa hundert Millionen Jahren während der Kreidezeit durch die Ozeane streifte und bis zu 19 Meter lang wurde, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal »Science« . Nanaimoteuthis haggarti, wie Wissenschaftler das Urzeitgeschöpf nennen, wäre damit das bislang größte bekannte wirbellose Tier der Erde.
Die Analyse verändert grundlegend das Bild dieser Gruppe von Kopffüßern. Denn der Urzeit-Oktopus war offenbar ein Jäger, keine Beute. Dafür spricht, dass der eigentlich scharfe Kiefer schon bei Jungtieren stark abgenutzt war. Daraus schlussfolgert das Team, dass die Kraken andere Tiere jagten und selbst harte Schalen und Knochen zerbissen.
Beute in Stücke gerissen
Aufschlussreich ist auch die asymmetrische Abnutzung der Zähne. Das Team nimmt an, dass die Tiere ihre Beute mit den langen, mit Saugnäpfen-bewehrten Armen ergriffen und zerrissen, die einzelnen Teile dann dem Kiefer zuführten und dabei eine Körperseite bevorzugten. Das deute auf eine Spezialisierung von Nervenzellen hin und könnte ein Zeichen für fortgeschrittene Intelligenz sein, mutmaßt das Forschungsteam.
Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass während der vergangenen 370 Millionen Jahre große Wirbeltiere im Meer an der Spitze der Nahrungskette standen, während Wirbellose ihnen als Beute dienten. Die neuen Funde sprechen nun dafür, dass das nicht stimmt und gigantische Oktopusse auch als Wirbellose während der Kreidezeit ganz oben in der Nahrungskette standen.
»Wir glauben, über die damalige Zeit viel zu wissen«, sagt Paläontologe Jörg Mutterlose von der Ruhr-Universität Bochum, der an der Studie beteiligt war. »Aber wir kennen nur vielleicht ein Prozent der damaligen Lebewesen.«